erzieherin Die Fachhomepage fuer Erzieherinnen
Seite ausdruckendrucken
Logo
Startseite
Service
Arbeitsfelder
Berufsbildung
 
* Berufsbild
* Ausbildung
* Fort- und Weiterbildung
Themen
Medien
Fachberatung
Diskussion



erzieherin-online wird unterstützt von:

Unser Sponsor...
hier werben?

diese Rubrik betreut:
Anna Bordeaux  


Alle Top-Levels:
Valid HTML 4.01!
Fehler gefunden?
Bitte Nachricht senden...

-
Hier sind Sie:
> Startseite | Berufsbildung | Ausbildung | Ausbildungsdauer
-

Freitag, 19. Januar 2018

Finnland

Stichwortartige Informationen zum finnischen Erziehungs- und Bildungssystem

(Hintergrund: Teilnahme an einer Studienreise nach Jyväskylä im Mai 2006)

  1. "Auf den Anfang kommt es an"
    • kostenlose, flächendeckende kommunale Beratung durch eine Gesundheitspflegerin ("Neuvola") als Ansprechpartnerin von der Schwangerschaft bis zur Einschulung (ca. 400 Mütter bzw. Kinder/Beraterin) mit Hausbesuchen (im ersten Lebensjahr mindestens 14)
    • staatliche "Baby-Erstausstattung" für alle Neugeborenen im Wert von knapp 300,- € und Mutterschaftsgeld, gekoppelt an Neuvola-Inanspruchnahme, dadurch praktisch 100%-Erreichung durch die Gesundheitsberatung!
    • alle 4-Jährigen werden von der Neuvola-Beraterin und einer Ärztin/einem Arzt zwei Stunden lang gestestet um mögliche Förderbedarfe festzustellen/einzuleiten (Sprache, Feinmotorik usw.)
    • hohe Personalstandards (Qualifikation; Personalschlüssel) im Krippen- und Kindergarten-Bereich (Kinder mit Förderbedarfen können eine/n persönl. Betreuer/in erhalten)
    • für jedes Kind gibt es einen frühkindlichen Erziehungsplan
    • fast 100%iger Besuch der freiwilligen, kostenlosen Vorschule für alle 6-Jährigen (dem Kindergartensystem zugeordnet)

    Ziele: u.a. Begeisterung für das Lesen und das Lernen wecken, nicht jedoch Lesen lernen!
    "Philosophie" der Vorschule: Kinder sollen möglichst lange spielen!

  2. Gemeinschaftsschule
    • noch nicht "schulreife" Kinder kommen zunächst in kleine Starterklassen, mit 10-12 Kindern und individuellen Lernplänen; ca. 50% wechseln danach in die 2. Klasse, die anderen besuchen die 1. Klasse bzw. lernen weiterhin in Kleingruppen
    • Kinder ab 7 Jahren besuchen die 9-jährige kommunal getragene Gemeinschaftsschule (seit 1972) mit Einzugsgebieten (Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ging u.a. auf Initiative der konservativen Bauernpartei zurück, die Chancengleichheit für die ländliche Bevölkerung einforderte!)
    • kleine Klassen, i.d.R. 20/21 Kinder (max. 24), die z.B. in Englisch in jeder dritten Stunde geteilt und dann von zwei Lehrer/innen unterrichtet werden
    • alle Schulen haben interdisziplinäre Teams mit Sozialarbeitern, Sonderpädagogen, Psy-chologen und Krankenschwestern (für die älteren ab 7. Klasse zusätzlich noch "Laufbahnberater")
    • offiziell erhalten ca. 18% der finnischen Kinder eine sonderpädagogische Förderung (in D ca. 5%), aber nur noch ca. 2% besuchen Sonderschulen
    • Kinder erhalten individuelle Förderung in Kleingruppen, auch Einzelunterricht, wenn sie Unterstützung brauchen oder diese einfordern. Dazu stehen Pädagogen in gesonderten Räumen für kurzzeitige, aber auch längerfristige Unterstützung zur Verfügung (ca. 27% der Kinder in Jyväskylä nehmen dies, zumindest kurzfristig, wahr)
      Private Nachhilfe ist so gut wie unbekannt!
    • Kein durchgängiges Ganztagsschulsystem
      Nachmittags differenzierte Möglichkeiten/Angebote: Betreuung Kindergarten/Hort/Jugendeinrichtung oder Schule, AG´s in der Schule (sportliche, musische Angebote, aber auch 4. Fremdsprache), Betreuung zuhause, informelle Treffen mit Schulfreund/innen, Betreuung durch Tagesmütter o.ä.)
      (die Zahl der Unterrichtsstunden ist in FIN relativ niedrig!)
    • die Mehrheit der Jugendlichen besucht die (klassenlose) gymnasiale Oberstufe, die in 2 bis 4 Jahren absolviert werden kann (i.d.R. 3 Jahre) - bei hohen Anteilen selbstständigen Lernens und Arbeitens (aber auch in Kursen mit 30 Schüler/innen)
  3. Finnland als Leseland
    • 80% der Finnen nutzen regelmäßig Bibliotheken ("freier" Zugang als demokratisches Grundrecht)
      • 12,8 Besuche/EW (FIN)
      • 2,3 (D) pro Jahr
      mit hohen Personalstandards und großen Beständen!
    • hohe Wertschätzung des Lesens (nahezu jeder Haushalt hat mindestens eine Tageszeitung, die i.d.R. auch von Jugendlichen gelesen wird)
    • Zeitungen, Leseecken, Leselampen in öffentlichen Gebäuden, Bars usw.
    • TV-Originalsendungen führen zu hohen Fremdsprachekompetenzen bei frühzeitigem Mitlesen der finnischen Untertitel!
  4. Ergebnisse: "Hohe Qualität und hohe Chancengleichheit"
    • 70% eines Jahrgangs machen Abitur
    • sehr gute Ergebnisse bei PISA u.ä. Studien
    • so gut wie keine "Schulabbrecher"/"drop-outs"
    • kaum Zusammenhänge zwischen sozialer Schicht und Schulleistun-gen/abschlüssen
    • hohe Geburtenrate bei hoher Frauenerwerbstätigkeit
  5. "Erfolgsfaktoren"
    • schulische Lernatmosphäre erscheint sehr persönlich und entspannt; keine Störungen durch Selektion, Sitzenbleiben, Schulformabstufungen o.ä. - dies ist auch förderlich für das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkräften und Kindern, aber auch zwischen Lehrkräften und Eltern
    • starke Betonung des Fördergedankens: Förderung ist positiv besetzt!
    • Heterogenität (Leistungsstärkere und Schwächere profitieren voneinander!)
    • Vertrautmachen der Kinder mit Selbstschätzungen ihrer Stärken/Schwächen bereits im Kindergartenalter
    • viele schulische Leistungstests und Rückmeldungen - ohne Zensuren (erst zum Ende der Gemeinschaftsschulzeit gibt es notenähnliche Bewertungen)
    • Zitat eines finnischen Gymnasial/Oberstufen-Lehrers zum "Erfolgsgeheimnis":
      "Lange Kindheit und gutes Kindergartensystem"
    • hohe Anforderungen an die Zulassung zum Lehrerberuf und praxisorientierte Ausbildung
    • "Sozialstaatsgedanke", d.h. z.B.
      • alle Kinder erhalten kostenlos alle Schulmaterialien (Bücher, Hefte, Lineal, Rechner, praktisch alles bis auf den Schulranzen)
      • alle Kinder erhalten ein für die Familien kostenfreies Mittagessen, Zahn- und andere Gesundheitsfürsorge in der Schule
    • weitgehender gesellschaftlicher Konsens über die hohen Investitionen in Erziehung und Bildung
  6. Fragen/Probleme/Übertragbarkeit
    • hohe Abiturientenquote: mangelndes Interesse an "einfachen" Jobs, z.T auch Arbeitslosigkeit, aber Anwerben von "Gastarbeitern"
    • z.Zt. (noch?) hohe Investitionen in relativ wenige Migranten (individuelle Sprachförderung in der Ursprungs- und in der finnischen Sprache)
    • Geringe Bevölkerung(sdichte) kann eine politische Konsensfindung erheblich erleichtern

Zur Verfügung gestellt von:
Heidi Hetz, August 2006

 
-
Adresse: http://www.erzieherin-online.de
Letzte inhaltliche Änderung: 08.09.2006

-
© Copyright 1999-2018 bei erzieherin-online - Impressum