Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

Alles rung um die Themen Heim- und Jugendarbeit

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 05.04.2018 09:43

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Neues Ruhr Wort
Unabhängige katholische Wochenzeitung

QUELLE: http://neuesruhrwort.de/2018/04/04/nrw-will-aufklaerung-wegen-medikamentenversuchen-in-kinderheimen/

Jetzt hier in Bezug auf Nordrhein-Westfalen!

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NRW will Aufklärung wegen Medikamentenversuchen in Kinderheimen

Von: rwm 4. April 2018

Die nordrhein-westfälische Landesregierung verlangt weitergehende Aufklärung über den Verdacht von Medikamentenversuchen an Kindern in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe zwischen 1950 und 1975. Die Pharmaunternehmen, die über Dokumente und spezielle Erkenntnisse von „über individuelle Heilbehandlungen hinausgehende Medikamenteneinsätze bei Kindern und Jugendlichen“ verfügten, hätten zwischenzeitlich Kooperationsbereitschaft signalisiert, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag mit.

Die Rückmeldungen der Krankenhäuser, in denen im fraglichen Zeitraum Medikamentenversuche an Kinder und Jugendlichen vermutet würden, ergäben „ein sehr heterogenes Bild“, erklärte Laumann. Hier seien gegenwärtig noch nicht alle Überprüfungen abgeschlossen. Die Landesregierung erwarte weitere Rückmeldungen und dränge auf Aufklärung. Vor der Veröffentlichung von Ergebnissen wolle er laufende wissenschaftliche Aufarbeitungen in den unter Verdacht stehenden Einrichtungen in NRW abwarten, so der Minister. Die Krefelder Pharmazie-Doktorandin Sylvia Wagner hatte vor zwei Jahren aufgedeckt, dass es zwischen 1950 und 1975 mindestens 50 Medikamentenversuchsreihen in NRW-Kinderheimen gegeben hatte.

Hierbei soll es vor allem um die Erprobung von Psychopharmaka und Impfstoffen gegangen sein. In mindestens einem Fall gab es Hinweise darauf, dass ein Neuroleptikum auf ausdrücklichen Wunsch der Jugendhilfe eingesetzt wurde, um Kinder ruhiger und lernfähiger zu machen. Neben einem Düsseldorfer Kinderheim werden in der Doktorarbeit konkrete Vorwürfe gegen das katholische Kinderheim Franz-Sales in Essen, die Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld-Bethel und die Rheinische Landesklinik für Jugendpsychiatrie in Viersen-Süchteln erhoben. Laumann erklärte, die Einrichtungen arbeiteten die Vorwürfe derzeit wissenschaftlich auf. Aufgrund der Vielzahl der Akten und Dokumente sei mit erhöhtem Zeitaufwand zu rechnen. Falls bis Ende 2018 nicht alle Rückmeldungen vorlägen, werde das Gesundheitsministerium bei den betreffenden Einrichtungen den Stand der Aufarbeitung erfragen. Danach werde das Landesparlament umgehend über das Ergebnis [informieren].

Wagner war im Archiv der Firma Merck Dokumente aus dem Jahr 1958 gestoßen, die Auskunft geben über eine Anwendungsbeobachtung des Medikaments Decentan, das 1957 auf den Markt kam und – laut Merck – erst 2014 durch ein Nachfolgepräparat abgelöst wurde. Das Dokument trägt den Stempel von Dr. Waldemar Strehl, der zur betreffenden Zeit Anstaltsarzt im Franz Sales Haus war. „Den Vorwurf, dass Medikamente an Kindern aus dem Franz Sales Haus getestet worden sein sollen, nehmen wir sehr ernst und werden die Sachlage gründlich und mit Hilfe von externen Experten untersuchen“, hatte der Leiter der Einrichtung, Günter Oelscher, im Oktober 2016 erklärt. „Aus der Anwendungsbeobachtung geht hervor, dass Dr. Strehl 29 Patienten im Alter von 5-46 Jahren mit dem neuen Präparat behandelt hat. Gemäß unserer Bewohnerakten fielen diese Personen in ihren Gruppen durch große Bewegungsunruhe auf. Laut Anwendungsbeobachtung verabreichte Dr. Strehl einigen Kindern sehr hohe Dosen des neuartigen Medikaments, die zu starken Nebenwirkungen führte“, so Oelscher, der im vorigen Jahr in den Ruhestand getreten ist.

Strehl bei Kindern gefürchtet

Dr. Strehl habe die Nebenwirkungen in der Anwendungsbeobachtung festgehalten und sei abschließend zu dem Urteil gekommen, dass er Decentan für seine Praxis für ungeeignet halte, da es nur bei einigen Bewohnern wie gewünscht zu einer Ruhigstellung und zur Herstellung der Schulfähigkeit geführt habe. Während er die Behandlung bei acht Kindern nach zwei bis vier Tagen einstellte, verabreichte Dr. Strehl den Angaben zufolge das neue Medikament vier Kindern in niedrigeren Dosen über einen längeren Zeitraum. Bei den übrigen Personen bleibe die Dauer der Behandlung mit Decentan unklar. „Im Archiv des Franz Sales Hauses finden sich lediglich in zwei der Bewohnerakten ordnungsgemäße Eintragungen der Medikamentengabe. Die Aufzeichnungen belegen, dass die beiden Patienten gut auf Decentan angesprochen haben und das Mittel mehrere Monate erhielten. Dies geht auch aus einem ärztlichen Bericht an die Mutter hervor“, so Oelscher.

Über Waldemar Strehl ist wenig bekannt. 1940 promovierte er beim dem NS-Rassenhygieniker Friedrich Erhard Haag und erhielt nach Kriegsende in der Entnazifizierung einen „Persilschein“. Mitter der 1950er-Jahre fing er als Arzt im Frans- Sales-Haus an. Dort sei er bei den Kindern gefürchtet gewesen. So schilderte Bernhard Frings bereits 2012 in seiner Studie neben der Verordnung von Medikameten zur Ruhigstellung auch die Verabreichung sogenannter „Kotz-“ und „Betonspritzen“ durch Strehl, die zu Erbrechen beziehungsweise vorübergehender Bewegungsunfähigkeit führten und offenbar der Bestrafung dienten.

Forscher der RUB beauftragt

Forscher der Ruhr-Universität Bochum werden sich ab April 2018 in einer Studie „Zur Frage des Medikamentenmissbrauchs an Heimkindern im Franz Sales Haus (1945-1975). Historische Klärungen – ethische Perspektiven“ die Vorwürfe aufarbeiten. Die von einem Historiker zu erstellende „institutionen- und sozialgeschichtliche Studie auf der Basis verschiedener Quellen der Einrichtung wie auch regionaler und nationaler Archive“ gelte es „in ethischer Perspektive sowohl zeitgeschichtlich zu kontextualisieren als auch vor dem Hintergrund heutiger ethischer Debatten einzuordnen und zu bewerten“, heißt es dazu bei der Katholischen Fakultät der RUB. „Dabei werden unterschiedliche Facetten von Arzneimittelmissbrauch im Kontext der Heimerziehung berücksichtigt und einer differenzierten Analyse unterzogen. Hierbei spielen Fragen nach dem ärztlichen und pädagogischen Fürsorgeethos in der Heimerziehung ebenso eine wichtige Rolle wie auch die noch herauszuarbeitende gesamtgesellschaftliche Akzeptanzbereitschaft unterschiedlicher Formen potentiell missbräuchlichen Umgangs mit Medikamenten.“ Entsprechend sollen Impulse für einen ethisch verantwortlichen Arzneimitteleinsatz in der gegenwärtigen und künftigen Behindertenarbeit unter Berücksichtigung christlicher Wertvorstellungen erarbeitet werden.

Das Projekt wird vom
Lehrstuhl für Theologische Ethik in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre der Evangelisch-Theologischen Fakultät Bochum durchgeführt [ Siehe @ http://www.kath.ruhr-uni-bochum.de/theoleth/forschung/index.html.de ]. Es ist nicht das erste Forschungsprojekt, dass sich mit der Geschichte des Franz-Sales-Hauses beschäftigt: 2010 hatten ehemalige Heimkinder schwere Anschuldigungen gegen ihre damaligen Betreuer wegen Misshandlungen und Missbrauchs in den 1950er- und 1960er-Jahren erhoben, woraufhin die Unternehmensführung eine grund­legende Aufarbeitung beschloss und einen „Runden Tisch“ einrichtete. Mit den ehemaligen Heimbewohnern seien persönliche Gespräche geführt worden. Sie hätten glaubhaft über Gewaltanwendungen, Isolation, missbräuchliche Medikamentengabe und vereinzelten sexuellen Missbrauch berichtet. Oelscher entschuldigte sich damals im Namen aller ehemaligen Mitarbeiter und zeigte sich tief erschüttert. Als Studien liegen vor: Bernhard Frings: Heimerziehung im Essener Franz Sales Haus.1945-1970, Münster 2012. Ders, Die (fast) vergessenen Heimkinder – Aufarbeitung und Hilfen im Franz Sales Haus, Essen 2012.

rwm/kna
Redaktion Neues Ruhrwort
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Wo in der Welt wurden Heimkinder entschädigt? - Umfang?

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 08.04.2018 04:52

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"Fragwürdiger Umgang mit Opfern der Heimerziehung"

Wie haben sich die Verantwortlichen und ihre Rechtsnachfolger nach der Aufdeckung der Verbrechen begangen an damaligen Heimkindern verhalten ?

Österreich bemüht man sich jetzt zumindest – in Deutschland weiterhin kaum.

In den letzten paar Tagen (Anfang April 2018) getätigt auf facebook seitens der 1. Vorsitzenden des »Verein ehemaliger Heimkinder e.V.« (»VEH e.V.«):

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Heidi Dettinger: Voller Wehmut erinnere ich an unsere Forderung: Eine Opferrente von 300 Euro monatlich für die Betroffenen... Daraus geworden sind 300 Euro RentenERSATZleistung pro gearbeitetem Monat im Heim (zwischen dem 14. und 21. Lebensjahr) und maximal 10.000 Euro SACHleistungen.
Wahrhaftig, Deutschland, mir graut vor dir!

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QUELLE: https://www.facebook.com/pg/VEHeV/posts/?ref=page_internal


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
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DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 11.04.2018 05:35

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Was hielt man von diesem Film "FREISTATT" in der unmittelbaren Nachbarschaft des aktuellen Tatorts „Freistatt“ (in Diepholz, ca 20km entfernt von „Freistatt“) ??

DIE FOLGENDE BERICHTERSTATTUNG WURDE ERST JETZT, IM JAHRE 2018, VON MIR ENTDECKT:

QUELLE: MK - Kreiszeitung.de @ https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/diepholz-ort28581/film-freistatt-sorgt-entsetzen-sprachlosigkeit-publikum-5182837.html

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[ Foto zeigt die Kinobesucher im eingentlichen Kinobesuchersaal im „Central Cineworld“ in Diepholz, Niedersachsen ]

Entsetzen und Sprachlosigkeit im Publikum

Film „Freistatt“: „Ein dunkles Kapitel vor unserer Haustür“

29.06.2015

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Nein, es war keine per Internet aufgewiegelte Volksmenge am Samstagabend an der Wellestraße in Diepholz. Es war der offizielle Start des Films „Freistatt“. Die Schlange vor dem „Central Cineworld“ reichte bis zum Alten Rathaus. Statt der geplanten Vorstellung wurden es gleich zwei Vorstellungen in vier Sälen mit insgesamt 450 Besuchern.

Keineswegs eine erfundene Geschichte, sondern erschreckende Realität, wie den Kinobesuchern spätestens klar wurde, als eben jener Wolfgang Rosenkötter vor die Leinwand trat. Das ehemalige Heimkind war mit Regisseur Marc Brummund und Rüdiger Scholz, Leiter der Jugendhilfe Bethel im Norden, zur Premiere nach Diepholz gekommen, um Fragen der Besucher zu beantworten.

Freistatt: Insassen erleiden seelischen und körperliche Qualen

Das Bild im Saal nach der Präsentation des erschütternden Films über die grausamen seelischen und körperlichen Qualen der ehemaligen Insassen von Freistatt in den 1950er- bis 1970er-Jahren sprach Bände: Verweinte Männergesichter, gebrochene starre Blicke und kollektiver Schockzustand.

„Leider kann ich keine Entwarnung geben, der Film ist haaresbreit an der Realität“, brachte Rüdiger Scholz mit Kloß im Hals heraus. Zustimmendes Nicken bei Regisseur Brummund. Nach den Erinnerungen von Heimkind Rosenkötter wäre es noch viel schlimmer gewesen, „doch hätte man das szenisch gezeigt, hätte das Publikum uns das nicht abgenommen“, erläuterte der Regisseur.

„Ich war 15 Monate im Haus Moorhort in der Jugendanstalt Freistatt“, berichtete Rosenkötter, der heute als Vertrauensmann für Heimkinder tätig ist. Der gebürtige Bielefelder konnte damals aus Freistatt fliehen, kehrte aber nie nach Hause zurück und schlug sich bis zur Volljährigkeit durch. Die Qualen trug er Jahrzehnte mit sich herum. Der Name „Freistatt“ sei im höchsten Grad zynisch, unerträglich und perfide, erklärte Rosenkötter rückblickend.

Das besagte Haus Moorhort wurde Originalschauplatz im Film. Es entpuppte sich als ein Hort der Quälerei, ein Guantanamo für junge Wilde. Das Moor mit seinen natürlichen Barrieren machte die Flucht für Insassen unmöglich. Es war ein Idyll mit Weite, aber eben nicht für die „Freistattler“ unter Anstaltsleiter Brockmann, der sich über die NS-Zeit erfolgreich gerettet hatte und sie weiterlebte.

Parallelen zu den nur gut 20 Jahre früheren Arbeitslagern mit Tor-Inschriften wie „Arbeit macht frei“ drängen sich auf. Hinter den Mauern der kirchlichen Fürsorgeanstalt herrschte noch der alte Geist, während draußen langsam die Zeichen auf Flower-Power und Freedom standen.


Es sei noch schlimmer gewesen

„War es wirklich so schlimm oder schlimmer?“, lautete eine Frage aus dem Saal. „Schlimmer! Teils wurden Kopfgelder auf uns Jungs ausgesetzt. Wir wurden verliehen als Leiharbeiter und erlitten Qualen, die uns innerlich brachen“, berichtete Rosenkötter. „Es ist unglaublich, dass dieses dunkle Kapitel hier vor unserer Haustür geschah“, meinte Erik Lange aus Diepholz, dessen Sohn Rune als Statist im Film mitgewirkt hatte.

Als ihre Sprache wiederkam, meldete sich eine Erzieherin aus dem Publikum in Richtung Rosenkötter zu Wort: „Ich verneige mich vor ihrem Mut, bin tief gedemütigt und hoffe, dass ich noch nie Schutzbefohlenen Leid unterbewusst angetan habe.“

Wer nach dem Film wirklich noch ertragen konnte, wie es mit dem Heimkind weiterging, konnte den echten Wolfgang Rosenkötter dazu befragen. Viele Besucher waren jedoch zu beschämt von so viel Unrecht und Grausamkeit an Schutzbefohlenen.

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Ich selbst war in „Freistatt“ in »Gruppe 1, Haus Neuwerk«, in 1963/64, und musste dort, wie im Film und in der dazugehörigen Dokumentation gezeigt, unentgeldlich für die „von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“ / die „Diakonie“ / die „Evangelisch-Lutherische Kirche“ / die „Evanglische Kirche in Deutschland“ („EKD“) im Moor malochen, d.h. Zwangsarbeit leisten, before es mir im März 1964, im Alter von 17 Jahren und 9 Monaten gelang nach Australien auszuwandern, um mich dort meinen Eltern, die schon im Jahr 1962 ausgewandert waren, anzuschließen.
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Zuletzt geändert von Ehemaliges Heimkind am 17.04.2018 10:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Wo in der Welt wurden Heimkinder entschädigt? - Umfang?

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 13.04.2018 10:43

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In welchen Ländern der Welt wurden Heimkinder entschädigt und in welchem Umfang?

"Fragwürdiger Umgang mit Opfern der Heimerziehung"

Wie haben sich die Verantwortlichen und ihre Rechtsnachfolger nach der Aufdeckung der Verbrechen begangen an damaligen Heimkindern verhalten ?

Österreich bemüht man sich jetzt zumindest – in Deutschland weiterhin kaum.

Thread eröffnet und einleitender Beitrag getätigt am 28. Februar 2012, um 12:13 Uhr von dem Betroffenen Martin MITCHELL a.k.a. »martini« :

»Angela Merkel ist gefragt… Ehemalige Heimkinder wenden sich an die Bundeskanzlerin direkt.« @
http://www.heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/14674-Angela-Merkel-ist-gefragt (der allererste Beitrag dort!) :


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[ Erstveröffentlichung am 28. Februar 2012 ]

Ein ehemaliges Heimkind nachdem er kürzlich im SPIEGEL las formulierte folgenden Appell an die Regierenden in Deutschland und besonders auch an die Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Merkel bittet um Verzeihung 23.02.2012

„Ein Land verneigt sich vor den Opfern des Neonazi-Terrors. Bei der Gedenkfeier in Berlin bittet Kanzlerin Merkel die Hinterbliebenen um Verzeihung für falsche Verdächtigungen. Angehörige berichten eindrücklich von Verlust, Zweifeln, haltlosen Vorwürfen.“ ( so sprach Bundeskanzelerin Angela Merkel während einer Gedenkfeier/Zeremonie ausgerichtet gemeinsam von der Regierung, dem Bundestag, dem Bundesrat und dem Bundesverfassungsgericht… SPIEGEL (23.02.2012) @ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817067,00.html )

Zunächst möchten wir feststellen, dass die Bitte um Verzeihung von Frau Merkel gegenüber diesen Personen ein „Muss“ war und wir uneingeschränkt dazu stehen.

Den Ehemaligen Heimkindern stellt sich die Frage, ob und in wie weit es hier Parallelen gibt. Wo ist die Verneigung des Landes vor den Insassen der ehemaligen Heimkinderhöllen? Heute nennt man sie
Neonazis, früher wurden sie entnazifiziert genannt, diejenigen, die das junge eingesperrte Leben zur Hölle werden ließen. Beide Gruppierungen beziehen und zogen ihr geistiges Gut aus den Terrorgedanken der Nazis.

Frau Merkel bittet die Hinterbliebenen um Verzeihung. Wurden unsere Hinterbliebenen jemals um Verzeihung gebeten, nachdem man damals ganze Familien im Namen der jungen Bundesrepublik Deutschland, bei der angeblich der demokratische Gedanke noch nicht angekommen war, terrorisierte und ihnen die Kinder wegnahm um sie einzusperren? Unterlagen diese Familien nicht auch falschen Verdächtigungen? Unterlagen diese Familien nicht auch haltlosen Vorwürfen?

Wie viele junge Seelen wurden zertreten, gedemütigt, bis aufs Blut geschlagen, unfähig gemacht, ein eigenständiges Leben zu führen, wurden vergewaltigt, zu Zwangsarbeiten missbraucht, wie viele…? Wie viele Kinderseelen wurden psychisch ermordet?

Wie viele von ihnen haben eindrücklich über ihre in der Kindheit gemachten Erfahrungen berichtet?

Wie viele Familien und Kinder haben unter dem gegenseitigen Verlust gelitten? Wie viele wissen nicht, wo ihre Angehörigen sind und wie viele wissen nichts von ihrer Vergangenheit, weil es angeblich keine Akten mehr gibt?

Wie viele der damaligen Kinder sind heute auf Grund ihrer Vergangenheit verzweifelt, leben in prekären Lebenssituationen, leben am Rande der Existenz? Wie viele von ihnen haben es vorgezogen, ihrem Leben unter diesen Bedingungen ein Ende zu setzen?

Wie viele leiden noch heute unter den Folgen der Heimkinderhöllen von damals? Heute haben sie psychische Störungen, die nicht mehr therapierbar sind. Wie viele mussten wegen ihrer Leiden früher aus dem Arbeitsprozess aussteigen und sind jetzt Invaliden oder FrührentnerInnen? Wie viele werden ob dieser Tatsache noch heute stigmatisiert?

Wie viele Partnerschaften kamen auf Grund der Erkrankungen nicht zu Stande oder wurden nach kurzer Zeit wieder aufgelöst? Wie viele Kinder aus diesen Partnerschaften mussten unter den gesundheitlichen Folgen von Vater oder Mutter oder beiden Eltern leiden?

Fragen über Fragen…

Bei den Ehemaligen Heimkindern gab es keine Verneigung des Landes und auch keine Bitte um Verzeihung, es gab noch nicht mal eine Gedenkfeier.

Unsere Leiden wurden am Runden Tisch für Ehemalige Heimkinder bis zur Nichtigkeit zerredet.

Die Nichtigkeit kulminierte in einem Fonds, der für Ehemalige Heimkinder Rentenersatzzahlungen auf niedrigstem Niveau vorsieht und dazu ein paar Sachleistungen...
Von Entschädigung keine Spur.

Früher waren wir ein effizient genutztes Anhängsel dieser Gesellschaft, hunderttausende von Kindern und Jugendlichen haben dem Staat und der Gesellschaft ungeheure Summen durch die von uns geleistete Zwangsarbeit erwirtschaftet. Heute sind wir – alt, arbeitsunfähig, krank – nur noch ein störendes Anhängsel der Gesellschaft.

Frau Merkel, wo ist Ihre Bitte um Verzeihung? Wo ist unsere Gedenkfeier für die kranken Seelen der Ehemaligen Heimkinder? Wo, Frau Merkel?
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Dieser Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel im Original [ , im Jahre 2012, war auch mal auf der vormaligen Vereinswebseite des »Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.« (»VEH e.V.«) zu finden, ist aber leider, momentan, auf der aktuellen Vereinswebseite des »Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.« (»VEH e.V.«) – http://www.veh-ev.eu/ – nicht mehr zu finden. ]
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Der gesamte Beitrag ist auch zu finden @ http://www.kinder-heim.de/board1818-virtuelle-stadt-der-heimkinder/board1819-rathaus/board3290-missbrauch-in-heimen-jwhs-und-entsch-digungen/9848-angela-merkel-ist-gefragt-ehemalige-heimkinder-wenden-sich-an-die-bundeskanzlerin-direkt/#post114585 Dort wurde dieser Beitrag ebenso von mir getätigt, und zwar am Donnerstag, 1. März 2012, um 02:34 Uhr.

Sechs Jahre später: Noch hat die sich auch weiterhin im Kanzleramt befindende Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Regierung nicht geantwortet !!


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
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Donauwörth, katholisches Kinderheim Heilig-Kreuz

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 26.04.2018 03:24

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Hinter Donauwörth Heilig Kreuz Klostermauern

Dieses katholische Heim existierte dort auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1977.

Donauwörth ist eine Große Kreisstadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und der Sitz des Landratsamts.
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben



Kinderheim Donauwörth

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz

QUELLE: BR.de - Bayerischer Rundfunk @ https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/kinderheim-donauwoerth-sexueller-missbrauch-100.html

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Kinderheim Donauwörth

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz

Im Februar hat der BR von schweren Misshandlungen im ehemaligen Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz berichtet. 1977 wurde das Heim geschlossen. Nach und nach kommt ans Tageslicht, welch perfides, brutales System von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt dort geherrscht hat. Nun trafen sich ehemalige Heimkinder zu einem Runden Tisch. Dabei geht es auch um sexuellen Missbrauch durch einen Priester. Der Augsburger Bischof Zdarsa selbst eine Arbeitsgruppe zur Aufklärung ins Leben gerufen.

Von: Judith Zacher

Stand: 25.04.2018 | Bildnachweis


Stefan Schmid musste als Privatministrant von Priester Max Auer täglich bei der Messe dienen. Davor oder danach kam es zu sexuellen Übergriffen. Schmid musste ihn befriedigen, oder aber der Priester vergewaltigte ihn. Erst als er im Bayerischen Rundfunk im Februar die Berichte über die Misshandlungen [ 1. ] im ehemaligen Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz hörte, wagte er es, sich an die Missbrauchsbeauftragte des Bistums zu wenden – so kam er zum Runden Tisch am Dienstagnachmittag.

"Mit wem hätte ich reden sollen, der Max Auer hat mir das so verkauft, dass das dazugehört, das gehöre zur Kirche und sei gottgewollt. Und es war ja niemand da, dem man sich hätte anvertrauen können. Was hätte man machen sollen? An wen hätte man sich wenden können, es war ja niemand da!"
Stefan Schmid, ehemaliges Heimkind

Vor sexuellen Übergriffen waren offenbar auch Frauen nicht gefeit, berichtet Cornelia Heiderich. Wenn die Haushälterin nicht da war, dann habe der Priester sie als kleines Mädchen unsittlich berührt, in seinem Privathaus. Andere berichten von den brutalen Methoden der weltlichen Erzieherinnen: Zu trinken gab es nur wenig, aus dem Wasserhahn zu trinken aber sei verboten gewesen. Wer erwischt wurde, bekam kein Frühstück, musste stundenlang auf Bügeln oder Holzscheiten an der Wand knien. Deshalb habe man aus der Kloschüssel getrunken. Nur das sei heimlich möglich gewesen. Schläge habe es auch gegeben, wenn man nachts geredet oder ins Bett gemacht hätte.

Runder Tisch soll Aufklärung vorantreiben

Die schrecklichen Erlebnisse, von denen die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch berichten [ 2. ], machen auch Stiftungsvorstand Peter Kosak schwer betroffen. Er nehme die Vorwürfe sehr ernst. Die Stiftung und das Bistum wolle, dass die Geschichte des Kinderheims vollumfassend aufgeklärt werde. Weil es jetzt auch um schweren Missbrauch durch einen Priester geht, sei die Thematik auch an höchster Stelle im Bistum Augsburg angelangt.

"Wir haben es jetzt mit sexuellen Missbrauchs eines Priesters zu tun. Deswegen hat sich der Bischof von Augsburg entschieden, die Aufarbeitung direkt mit einer Arbeitsgruppe von ihm aus zu beauftragen."
Peter Kosak, Stiftungsvorstand Pädagogische Stiftung Cassianeum

Der Runde Tisch sei hier erst der Anfang gewesen. Ziel des Ganzen ist es, einen umfassenden Bericht zu verfassen, der dann auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das Kinderheim Heilig Kreuz ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte Donauwörths. Aber zumindest soll endlich jeder wissen, was dort passiert ist. Genau das war der Wunsch der beiden Schwestern, die durch ihre Offenheit eine Aufarbeitung und Berichterstattung erst möglich gemacht haben.

"Es hat sich gelohnt. Aber für mich war es ein langer Kampf, alle die dazu gekommen sind, hatten es einfacher. Aber bis dahin war es schon anstrengend. Ich bin fast ein bisschen erschöpft, muss ich sagen, aber – auch glücklich."
Marsha, ehemaliges Heimkind
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[ 1. https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/missbrauchsopfer-aus-donauwoerth-kehren-wieder-zurueck-100.html ]
[ 2. https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/misshandlungen-im-kinderheim-in-donauwoerth-100.html ]
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Donauwörth, katholisches Kinderheim Heilig-Kreuz

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 27.04.2018 03:25

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VOR SECHSEINHALB JAHREN SCHON WURDE DIESBEZÜGLICH SEHR DETAILIERT BERICHTET:

Kinderheim Heilig Kreuz unter dem Deckmäntelchen der christlichen Nächstenliebe“ – „misshandelt - diesmal im Namen der christlichen Nächstenliebe

QUELLE: hpd - Humanistischer Pressedienst @ https://hpd.de/node/11974?nopaging=1 :

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[ FOTO: Marsha im Kommunationskleid ]

Deutschland Deine Kinder

19. September 2011

FREIBURG/BERLIN. (hpd) Denn sie wussten, was sie tun. Das Kinderheim "Heilig Kreuz" - ein dunkles Kapitel der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Donauwörth. Marsha ist eine 51jährige, lebhafte, selbstbewusste und fröhliche Frau. Nie würde man beim ersten Eindruck vermuten, dass sie unter so schweren Depressionen, Ängsten und körperlichen Beeinträchtigungen leidet, dass sie keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen kann.

Der Grund hierfür führt zurück in ihre Kindheit und Jugend, die sie größtenteils in einem katholischen Kinderheim verbracht und erlebte, wovor man sie schützen wollte. Die traumatische Zeit in dem Heim prägt auch heute noch ihr Leben. Wer übernimmt Verantwortung? Auf Nachfragen folgen Schweigen oder viele Worte, Bedauern und Gebete.

[ FOTO des berüchtigten Heims von damals ]

Marshas „Heimkarriere“ begann 1965. Wegen „sozialer Missstände“ wurde das damals fünfjährige Mädchen nach Donauwörth in das katholische Kinderheim Heilig Kreuz gebracht. Es galt, sie und ihre Geschwister vor weiteren Gefahren für Leib und Seele in den Schutz staatlicher Obhut zu geben. Das Kinderheim Heilig Kreuz sollte der geeignete Raum sein, so war der Entscheid des Jugendamtes. Heilig Kreuz gehört zur Pädagogischen Stiftung Cassianeum. Für eine Stiftung nach dem öffentlichen Recht gibt es eine zuständige Aufsichtsbehörde. Das war und ist auch heute noch das Bischöfliche Ordinariat Augsburg. Begründer der Stiftung war Ludwig Auer, ein katholischer Volkspädagoge. 1916 eröffnete unter seiner Leitung die Pädagogische Stiftung Cassianeum, ein "Erziehungsheim". Diese Tradition wird heute in Form des Tageskindergartens weitergeführt. Das Heim selbst wurde 1977 aufgelöst. Es stand zu diesem Zeitpunkt unter der Leitung des Direktors und Monsignore Max Auer, dem Enkel des Begründers.

Kommen wir zu Marsha: Damals, so erzählt sie, hat kein Außenstehender etwas von dem, was im Heim geschah, bemerkt oder wissen wollen. Die Kinder wurden vom Katholischen Pfarrer und Monsignore Max Auer und einigen der Erzieherinnen, ganz besonders der Heimleiterin „Tante V“, körperlich und seelisch misshandelt. Das geschah für die Außenstehenden unbemerkt, denn Herr Max Auer war ein angesehener Mann in Donauwörth, der Auer Verlag war damals einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Möglicherweise wollte auch niemand etwas „bemerken“, obwohl die Kinder wegen der sichtbaren Striemen an den Beinen vom Sportunterricht befreit waren oder auch im Sommer Strumpfhosen oder lange Unterhosen tragen mussten.

In den Jahren, in denen Marsha dort ‚zuhause‘ war, fanden in der Pädagogischen Stiftung Cassianeum Donauwörth religionspädagogische Fachtagungen statt. Das dunkle Kapitel der Pädagogischen Stiftung hat offensichtlich bis heute die Öffentlichkeit nicht erreicht. Marsha wollte die Öffentlichkeit erreichen und nahm 2010 mit einem Redakteur der Donauwörther Zeitung Kontakt auf. Sie wollte über die damaligen Zustände und Drangsalierungen im Kinderheim Heilig Kreuz berichten. Es war niemand – auch nicht das Bistum Augsburg – an einer Veröffentlichung interessiert und das finden wir erstaunlich. Auch auf der stiftungseigenen Homepage ist kein Wort von Ereignissen zu lesen, die bekannt geworden wären und in die Nähe der Landschaft Heimerziehung in den frühen Jahren der jungen Bundesrepublik Deutschland oder sexuelle Gewalt an Kindern führt. [ Siehe @
http://www.paedagogische-stiftung-cassianeum.de/ ]

Zur Verantwortung: Bischof in Augsburg wurde 1963 Josef Stimpfle und er blieb es bis zu seinem altersbedingten Rücktritt 1992. In seiner Funktion als Aufsichtsperson über die Stiftung besuchte er die Stiftung und das Kinderheim in regelmäßigen Abständen. Hierfür wurden die Räumlichkeiten und die Kinder „auf Hochglanz“ gebracht, um das schöne Bild zu wahren, so berichtet Marsha.

Sie will erzählen, was ihr im Kinderheim Heilig Kreuz unter dem Deckmäntelchen der christlichen Nächstenliebe angetan wurde und dort ihr Leben wie das vieler Betroffener nachhaltig beeinflusst hat. Hier beginnt ihr Bericht:

Du hast erzählt, Du siehst dich manchmal mit dem Argument konfrontiert: „Das war eben früher so, Schläge gab es zu dieser Zeit doch überall!“ Worin liegt der Hauptunterschied zu der Gewalt, die es auch häufig in Familien gab und dem, was Du erlebt hast?

Kinder wurden damals aufgrund von Missständen in der Familie oder der „Gefahr der Verwahrlosung“ durch die staatliche Fürsorge aus dem familiären Umfeld herausgenommen. Die Kinder sollten vor weiteren „Schädigungen“ geschützt werden. Und genau dieser Schutz wurde uns nicht gewährt! Stattdessen wurden wir, die Schwächsten der Gesellschaft misshandelt - diesmal im Namen der christlichen Nächstenliebe. Durch die „Staatliche Fürsorge“ wurden wir auf vielfältige Art erneut traumatisiert und für unser weiteres Leben schwer beschädigt. Das war ein ganz klarer Verstoß gegen die Menschenrechte und die Menschenwürde.

Im Gegensatz zur Familie gab es für uns Heimkinder keinerlei Rückzugsmöglichkeit, keinen Ort, keinen Menschen, an den wir uns vertrauensvoll hätten wenden können. Wir waren den Launen des Direktors und einigen seiner Erfüllungsgehilfinnen, besonders der Heimleiterin ausgeliefert. Ständige und willkürliche Kollektivstrafen waren üblich.

Gewalt gab es mehr, als man bei vollem Verstand ertragen kann. Ich bin davon überzeugt, dass dies für meine seit vielen Jahren anhaltende chronische Schmerzerkrankung Ursache ist. Ständig die körperliche Anspannung, die Angst, grundlos eine Ohrfeige, einen Schlag auf den Rücken, eine Kopfnuss oder Tritte von Erzieherinnen und anderen Kindern zu bekommen, macht einen fertig. Man ist nur noch in Habachtstellung, man gewöhnt sich eine anhaltende körperliche Anspannung an vor dem, was sich plötzlich, unerwartet und willkürlich aus dem Hinterhalt auf dem Kopf, dem Rücken, dem Gesäß entlädt. Es war sehr beängstigend, bedrohlich. Man wusste nicht, wer Freund oder Feind war. Schon als Kind litt ich häufig unter unerklärlichen Kopf- und Bauchschmerzen.

Vermutlich kommen Äußerungen der Verharmlosung und erneuten Diskriminierung der Heimkinder von jenen, die auch damals davon nichts wissen wollten oder/und uns Heimkinder schon immer als „Randerscheinung“ betrachteten, als Menschen zweiter Klasse. Für viele sind wir auch heute noch minderwertig. Der Neid auf die Zuwendung und möglicherweise finanzielle Entschädigungen, die uns zuteil kommen könnten, spielt meiner Meinung nach eine ganz erhebliche Rolle.

Erinnerst Du Dich an einzelne Gewalttaten durch Erzieher/Innen, was konkret hast du erlebt?

Erst einmal möchte ich betonen, dass nicht alle Erzieherinnen gewalttätig waren. Aber, im Bett galt Redeverbot, der nächtliche Toilettengang war verboten. Uns Kleinen, also den Zwei bis Sechsjährigen, drohte man mit dem Schwarzen Mann und dem Bösen Wolf, der unter dem Bett auf uns lauert und uns holen würde, sobald wir das Bett verließen. Bettnässen war die Folge. Bettnässen wiederum wurde mit Trinkverbot über einen Tag sowie Schlägen bestraft.

„Bettschwätzer“ mussten zur Strafe nachts einige Stunden mit erhobenen Armen auf einem Holzkleiderbügel knien. Wer währenddessen „schwächelte“, wurde an den Haaren hochgezogen, bekam eine heftige „Watsch‘n“ von hinten, die oft heftige Ohrenschmerzen verursachte. Oder die Strafaktion endete mit einem Schlag auf den Hinterkopf, durch diesen schlug der Kopf an den Schrank oder an die Wand.

Die Beichte nahm uns der Direktor Max Auer persönlich ab. Das war Pflicht. Er war Priester. Das 6. Gebot für uns Kinder lautete: „Du darfst nicht Unkeuschheit treiben“ Herr Auer fragte im Beichtstuhl: „Hat jemand sein Didi in dein Pipi gesteckt?“ „Hast Du Dein Pfuili berührt?“ „Hat jemand Dein Pipi angefasst?“ Das war sein Lieblingsgebot.

Wer nichts zu beichten hatte, dem wurden Sünden eingeredet. „Lüg nicht!“ zischte er im Beichtstuhl. Oft folgte die Buße direkt nach der Beichte im Wohnhaus des Direktors: sechs Stockschläge mit dem Rohrstock auf das nackte Gesäß. Es kam auch vor, dass Kinder den Stock selbst suchen und mitbringen mussten. „Einen, der ordentlich pfeift“, sagte der Direktor.

Die Folge der Schläge waren Striemen. Manchmal bluteten sie auch. Das war sehr schmerzhaft. Das Muster der Strumpfhose, die Bettwäsche, das Nachthemd bereitete Schmerzen an den Beinen. Man konnte nicht richtig sitzen, das Liegen nachts im Bett war schmerzhaft. Eigentlich war man immer damit beschäftigt, eine Position zu finden, die den Schmerz vermeiden half. Ich konnte meinen eigenen Körper manchmal nicht mehr ertragen. Manchmal fühle ich heute noch diese Schmerzen bis hinunter zur Kniekehle.

Kinder, die Trinkverbot hatten, versuchten heimlich Wasser zu trinken. Alfons wurde erwischt, die Erzieherin schlug ihm von hinten mit der Hand auf seinen Hinterkopf, während er vom Wasserhahn trank. Alfons blutete aus dem Mund, ein Schneidezahn wackelte nach dem Schlag. Ein Mädchen trank aus Verzweiflung vor Durst nachts aus der Kloschüssel. Hier war der Ort, an dem sie sich sicher fühlte. Doch auch sie wurde erwischt und bekam Prügel.

Die Zwei- bis Sechsjährigen mussten mittags „Kopfauflegen“. Mittagsschlaf im Sitzen. Einmal habe ich es gewagt, den Kopf zu heben. Mein Kopf wurde zur Strafe an den Haaren hochgerissen und mit einem heftigen Schlag auf den Tisch geknallt. Oft wurden ehemalige Heimkinder geholt, um auf uns aufzupassen.

Der Spaziergang der „Kleinen“ fand im Gänsemarsch statt. Wir hielten uns alle an einem Seil fest. Wer aus der Reihe tanzte, bekam von der Nonne mit der Kordel, die an der Kutte befestigt war, einen Schlag auf die Beine. Im Winter, wenn die Haut kalt war, schmerzte es ganz besonders schlimm.

Essensverweigerer bekamen „Tatzen“ mit dem Kochlöffel auf den Handrücken, auf den Kopf oder den Mund, um das Zuführen von oft fettem, ungenießbarem Fleisch voranzutreiben. Das Fleisch war oft so fettig, dass es lange am Gaumen klebte.

Wer sich übergeben musste, durfte das eigene Erbrochene wieder zu sich nehmen. Ja, Erbrochenes musste wieder gegessen werden. Ich erinnere mich daran, dass ich einmal nachts viele Stunden vor meinem kalten stinkenden Erbrochenen saß. Ich weiß heute nicht mehr, ob ich es gegessen habe.

[ FOTO: Marsha mit ihrem Bruder ]

Ich erlebte viele Gewalttaten nicht nur am eigenen Leib sondern mit an anderen Kindern. Mein damals dreijähriger Bruder Eugen wurde von zwei älteren Heimkindern festgehalten, während ein Dritter meinem kleinen Bruder mit der Faust ins Gesicht schlug – und das nicht nur einmal und auch im Beisein des Direktors Max Auer. Mein Bruder rief nach mir um Hilfe. Ich war damals sechs Jahre alt. Das war eines der schlimmsten Erlebnisse für mich während meiner Heimzeit. Ich konnte meinem kleinen Bruder nicht helfen, ich hatte auch schreckliche Angst. 1980 verunglückte mein Bruder tödlich.

Habt ihr Erwachsenen davon erzählt?

Das hätten wir uns nicht getraut! Man wusste nicht, wer Freund ist oder Feind. Herr Max Auer hatte gute Kontakte zu Lehrern in der städtischen Schule, die wir besuchten. Mit 15 Jahren, nach der Umsiedlung in ein geschlossenes Heim, weit weg von meinen Geschwistern, wollte ich den Direktor wegen der Misshandlungen anzeigen. Man riet mir, die Sache „auf sich beruhen“ zu lassen.

Wurde Dir sexuell Gewalt angetan?

Ja. Mit fünf und elf Jahren. Beide waren ebenfalls Heimkinder. Der erste wurde nachts auf frischer Tat ertappt und durfte das Heim auch nach seiner Entlassung weiterhin besuchen. Vor kurzem habe ich erfahren, dass er während seiner Besuche wiederholt nicht nur an mir sondern auch an anderen Kindern sexuelle Gewalt ausgeübt hat.

Sexuelle Übergriffe gab es häufig. Es waren schlimme Erlebnisse, die ich größtenteils verdrängte. Aber, ich war damit nicht allein. Wir waren viele und doch war jeder allein. Niemand von uns hätte sich getraut, anderen davon zu erzählen, denn wir wussten ja, dass es „Sünde“ war, für die wir dann vom Direktor mit Stockschlägen und anderen Strafen belegt würden.

[ FOTO: Marsha mit Bruder und anderem Heimkind ]

Musstet ihr Kinder im Heim Arbeit verrichten?

Ja, wir Heimkinder ersetzten überwiegend Reinigungspersonal und Küchenhilfen. Während wir unseren Küchendienst verrichteten, genossen die „Angestellten“ im Angestelltenzimmer nebenan leckeres Essen. Für die Erzieherinnen wurde separat gekocht. Die Angestellten hatten grundsätzlich andere Mahlzeiten als wir Kinder. Unsere Pflicht zur Arbeit ging weit über das hinaus, was an Mithilfe im Haushalt üblich war. Waren Fußböden nicht nach den Vorstellungen der Erzieherin geputzt, wurde das Schmutzwasser wieder ausgeleert, man musste von vorn beginnen.

Für die ortsansässige Molkerei pflückten wir Kinder Eimerweise Johannisbeeren zur Joghurt-Herstellung. Für das Beerenpflücken haben wir einmal von der Molkerei Joghurt bekommen, den wir in der Heimküche abgeben mussten. Heimkinder wurden auch in der Druckerei zum Einlegen von Broschüren in die Zeitschrift „Monika“ eingesetzt. Entgelt für Dienstleistungen mussten beim Direktor abgegeben werden.

Gab es untereinander auch Gewalt?

Gewalt untereinander war im Beisein und mit dem Wissen der Erzieherinnen und des Direktors geduldet und beinahe an der Tagesordnung. Kinder schlugen sich die Köpfe gegenseitig auf den harten Steinboden im Waschraum, Fäuste landeten in Gesichtern, es wurde gebissen, getreten, bis zur Ohnmacht auf den Brustkorb gedrückt usw.

Unter den Augen anderer Heimkinder wurde ich im Waschraum brutal zusammengeschlagen, bis ich aus Mund und Nase blutete. Niemand half mir. Entlassene Mädchen und Buben wurden oft zur Aufsicht über die Kleinen angestellt, so wurde selbst erlebte Gewalt wieder nach unten weitergegeben. Es gab keinen Schutz durch die Erzieherinnen. Wir Kleinen waren den älteren Heimkindern schutzlos ausgeliefert. Ich war eher schüchtern und zurückhaltend und häufig beliebtes Opfer. Die Gewalt untereinander war vermutlich eine geduldete Erziehungsmaßnahme, um dem Personalmangel entgegenzusteuern.

Es gab auch sexuelle Kontakte zwischen Heimkindern und Erzieherinnen. Ein „Paar“ wurde ertappt. Die Folge war, dass der Junge blutig geprügelt wurde und in ein geschlossenes Heim eingewiesen wurde.

Hattest Du dennoch auch Freunde im Heim?

Im Kinderheim und in der Schule hatte ich lange Zeit keine Freunde. Ich war Außenseiterin, fühlte mich nie dazugehörig sondern eher aussätzig, hässlich und nicht liebenswert. Ich wurde nicht in „Banden“ aufgenommen. Ich fühlte mich immer einsam und verlassen. Manchmal habe ich vor Scham und Angst, wegen meinem krausen Haar ausgelacht zu werden, die Schule geschwänzt. Nur zu meinem großen Bruder, er ist 5 Jahre älter als ich, hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Auch nach seiner Entlassung, ich war 10 Jahre alt, hat er sich immer sehr liebevoll um mich gekümmert. Er war immer für mich da.

[ FOTO: Weinachten 1966 ]

Gab es trotz allem auch Erwachsene, denen du vertrauen konntest?

Im Jahr 1973 nahm mich manchmal eine Lehrerin am Wochenende mit nach Hause, nach München. Das war schön. Von den Missständen im Heim habe ich auch ihr nichts erzählt. Es hätte mir sowieso niemand geglaubt.

1977, zwei Jahre nach der Umsiedlung in ein anderes Heim, hatte ich ein vertrauensvolles Verhältnis zu einer Ärztin. Kurz bevor ich nach Freiburg kam, nahm sie sich das Leben. Das war sehr schlimm für mich. Wieder einmal hatte ich eine Bezugsperson verloren.

Haben die zuständigen Behörden bzw. hat das Jugendamt nichts von den Missständen im Heim bemerkt oder etwas dagegen getan?

Zuständig war der Landeswohlfahrtsverband Stuttgart. Ich kann mich an keine Besuche oder Kontrollen durch Behörden erinnern. Eine Ehemalige erinnert sich, dass sie weggesperrt wurde, als ein Besuch des Jugendamts geplant war. Von einer anderen Ehemaligen erfuhr ich kürzlich, dass wir einen Hungerstreik planten, um beim Besuch des Jugendamtes auf die Missstände aufmerksam zu machen. Der Direktor sagte diesen Besuch kurzfristig ab. Das Jugendamt erhielt jährlich einen Entwicklungsbericht von jedem von uns.

Eines beschäftigt mich doch sehr: Obwohl bei uns zuhause weiterhin nichts in Ordnung war, genehmigte das Jugendamt Ferienaufenthalte zuhause. Hier erlebte ich wieder Missbrauch und Gewalt durch meinen Stiefvater. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es nach Ferienaufenthalten irgendwelche Gespräche gab, bzw. ich nehme an, dass das Jugendamt die Verhältnisse meiner Eltern zuhause nicht überprüft hat. Hier haben die Behörden die Aufsichtspflicht verletzt und total versagt.

Die Behörden bzw. Jugendämter sind ebenfalls für das, was geschehen ist, und wie es mir und anderen heute geht, verantwortlich. Heute bin ich selbst für mich verantwortlich. Ich hatte es verdammt schwer! Nach jahrelangen Kämpfen kann ich heute einfach nicht mehr.

Was ist mit deinen Eltern? Hast du Kontakt zu ihnen und haben sie sich jemals dazu geäußert, dass sie sich nicht um euch kümmern konnten?

Der Kontakt zu meinen Eltern war immer da wenn auch mit Unterbrechungen. Mein Stiefvater starb 1973 an Leberzirrhose. Das war eine enorme Entlastung für mich.

Mit meiner Mutter habe ich mich seit meinem 15. Lebensjahr heftig auseinandergesetzt, habe nie ein Blatt vor den Mund genommen. Klar hat meine Mutter uns Vieles erzählt, wieso, weshalb warum. Doch es gibt immer noch Fragezeichen. Ich möchte nicht mehr darüber erzählen. Ich habe heute zu meiner Mutter ein gutes Verhältnis – mal mehr, mal weniger.

Du hast das Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth 1975 verlassen. Hast du früher als jetzt daran gedacht, dich zu deinen Erlebnissen zu äußern?

Ja, gleich nach der Umsiedlung in das geschlossenes Heim nach Waldkirch wollte ich den Direktor des Kinderheims, Herrn Monsignore Max Auer, wegen der Misshandlungen anzeigen. Mir wurde abgeraten, zumal niemand der anderen Betroffenen mehr „von dem Dreck“ etwas wissen wollte. In den Folgejahren habe ich Ärzten und Therapeuten von diesen Missständen erzählt. Hilfe hat mir niemand angeboten. Keiner hat es für notwendig gehalten, mich über das Opferentschädigungsgesetz aufzuklären bzw. mich bei einer Anzeige zu unterstützen. Es gibt Aktenvermerke über meine Äußerungen zu den Misshandlungen im Kinderheim. Konsequenzen hatte dies für die Täter nicht. Wenn mich nur ein Erwachsener ernst genommen hätte, wären diese Straftaten nicht verjährt gewesen...

Bist Du im Besitz Deiner Heim- und Jugendamts-Akten?
Möchtest Du darüber erzählen, wie Du sie bekommen hast?

Im Februar 2011 habe ich beim damals für uns zuständigen Jugendamt in Schwäbisch Hall angerufen und nachgefragt. Erst hieß es "Nichts mehr da". Einer Mitarbeiterin hat diese Anfrage keine Ruhe gelassen, so hat sie im Archiv wiederholt gestöbert und tatsächlich, nach 45 Jahren die Familienakte gefunden! Für mich war von großem Interesse, weshalb wir ins Heim kamen, wie war der Ablauf durch das Jugendamt usw. Ich Habe vieles bisher unbekannte über meine Familie erfahren. Es war z.T. ein Schock, aber auch sehr hilfreich und notwendig zur Bewältigung der Geschichte aus meiner Herkunftsfamilie.

Außer Arztberichten aus Klinikaufenthalten habe ich keine weiteren Akten. Aus der Zeit im Kinderheim selbst habe ich drei Entwicklungsberichte. So habe ich erfahren, dass ich in der 3. Klasse eine der besten der Klasse war! Ich war 9 Jahre alt und in der 3. Klasse als es einen Einbruch durch ein sehr traumatisiserendes Erlebnis für mich gab, über das ich noch nie gesprochen habe und es auch in Zukunft nicht sprechen werde.

Mein starker Eigenwille wird betont, der nicht nur mir sondern auch meinen Geschwistern zu schaffen macht. Also den starken Eigenwillen hatte ich schon immer, das freut mich sehr.
Ich wollte unbedingt erfahren, weshalb ich nach Waldkirch in das geschlossene Heim "verlegt" wurde und das 6 Wochen vor dem Schulabschluss. Doch angeblich befindet sich hierüber nichts in meinen Akten! Das glaube ich nicht. Aber ich weiß ja aus Behandlungsakten, dass einer der Gründe "Aufsässigkeit" und andere "Verhaltensauffälligkeiten" waren. Deshalb kam ich also in ein geschlossenes Heim und wurde "weggesperrt".

Wie geht es dir heute?

Durch die Berichte in den Medien in den vergangenen zwei Jahren habe ich mich wieder verstärkt in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt. Verdrängtes tauchte verstärkt wieder auf, ich erinnerte mich. Meine Traumata sind eigentlich ständig präsent, lassen sich nicht löschen. Sie haben mich ein Leben lang im (Würge-)Griff, nehmen mir manchmal die Luft zum Atmen und ersticken mich regelrecht.

Heute, mit 51 Jahren bin ich auf Dauer wegen meiner Depressionen voll erwerbsgemindert. Seit 35 Jahren bin ich engmaschig in psychotherapeutischer Behandlung. Die Vergangenheit holt mich immer wieder ein, manchmal habe ich noch Albträume, wache mit Herzklopfen auf. Ich leide unter einem chronischen Schmerzsyndrom. Seit zehn Jahren hält mich ein Antidepressivum am Leben.

Was erhoffst du dir von der Veröffentlichung deiner Erlebnisse im Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth?

Ich wünsche mir, dass die Missstände aus dem Kinderheim bekannt werden. Es war Unrecht! Aus meiner Sicht ein Verbrechen. Es war Menschenrechtsverletzung.

Ich möchte Erzieherinnen, die Heimleiterin, die Bevölkerung von Donauwörth, mit diesem dunklen Kapitel, mit der Schwarzen Pädagogik in der Pädagogischen Stiftung, mit der Wahrheit konfrontieren.
Erst wenn diese leidvollen Erfahrungen veröffentlicht sind, bin ich nicht mehr das Opfer. Solange es vertuscht und ignoriert wird, bin ich das Heimkind, dem niemand glaubt.
Ich will nicht mehr Opfer sein! Das war ich zu oft. In der Herkunftsfamilie, im Heim, auch im Beruf. Es muss ein Ende haben!

Danke, Marsha.

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Marsha ist ein Pseudonym, der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

Dem
hpd liegen weitere erschütternde Berichte ehemaliger Heimkinder vor. In Regensburg positioniert sich dieser Tage die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch. Es ist kein Ende abzusehen. Marsha hat zehn Jahre Kindheit und Jugend in der katholischen Einrichtung Donauwörth zubringen müssen. Sie ist damit nicht allein. Seit Beginn der Recherche hat sich ein weiteres Opfer der Erziehungsmethoden des Kinderheimes Heilig Kreuz Donauwörth gemeldet. Es ist wieder eine Frau.

Das Bischöfliche Ordinariat Augsburg war zu der Zeit, die Marsha hier beschreibt unwiderrufen die „zuständige Aufsichtsbehörde“. Wir erfahren von deren grundsätzlichem Bedauern zur Frage der Verantwortung und, dass es richtig sei, dass das Erziehungsheim in Donauwörth sich in der Trägerschaft der pädagogischen Stiftung Cassianeum befand. Diese, 1910 gegründet als kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts, sei aber rechtlich selbständig. Die Diözese Augsburg übe über die Pädagogische Stiftung Cassianeum lediglich die Stiftungsaufsicht aus: ihre Verantwortung beschränke sich auf Aufsichts- oder Organisationsverschulden. Wenn ein Priester der Diözese Augsburg zu einem Täter geworden sei, würden die Grundsätze der Deutschen Bischofskonferenz zur Anerkennung des Leids sinngemäß angewandt werden.

Vertretungsberechtigte Person ist laut dortiger Homepage Professor Dr. Schiedermair.

Um Kontakt mit ihm aufzunehmen führt unsere Recherche in die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dort ist Dr. Werner Schiedermair Honorarprofessor an der Sprach- und Literaturwissenschaftlichen Fakultät/Kunstgeschichte. Ebenso ist er ausgewiesen als Ministerialrat i. R., München, seit 1996 Mitglied des Vorstandes Schwäbische Forschungsgemeinschaft e.V., Sitz Universität Augsburg also sehr honorabel.

Wer trägt die Verantwortung? Marsha doch wohl wirklich nicht.

Wir fragten nach und baten die vertretungsberechtige Stelle, Professor Dr. Schiedermair, um seine Stellungnahme. Sie fiel mager aus und kann nicht das letzte Wort bleiben.

Sehr geehrte Frau Ignatius,
zu Ihrer E-Mail vom 26.07.2011 sei angemerkt, dass Anschuldigungen, die die Führung des 1975 aufgelösten Kinderheims betreffen, bisher mir nicht bekannt geworden sind. Max Auer, den Sie erwähnen, verstarb 1980. Unterlagen, die eine Überprüfung der von Ihnen mitgeteilten Behauptung erlauben würden, sind nicht vorhanden.
Mit freundlichen Grüßen
Professor Dr. Werner Schiedermair


Unsere Antwort auf diese Darstellung korrigierte diese Aussage:

Die Misshandlungsvorwürfe gegen das Kinderheim Heilig Kreuz sind jedoch nicht neu. Sie sind beim „Runden Tisch Heimerziehung“ [ 2009/2010 in Berlin ] bereits bekannt und registriert. Von ehemaligen Heimkindern, die im Kinderheim Heilig Kreuz untergebracht waren, wurden bereits Anträge auf Opferentschädigung gestellt. (…)
Wichtiger wäre es jetzt für die Betroffenen, auf Anerkennung und Ernstnahme von Seiten des Cassianeums zu treffen. Ich möchte Ihnen, vor der Veröffentlichung unseres Artikels, hierzu die Möglichkeit geben und bitte Sie, sich bis zum Montag den 16.8. zu äußern.


Eine Antwort darauf ist bis jetzt nicht erfolgt.

[
Datum: 19.09.2011 ]

Anna Ignatius, Evelin Frerk

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UND HIER JETZT NOCH EINMAL DIE QUELLENANGABE FÜR DIESEN ARTIKEL: hpd - Humanistischer Pressedienst @ https://hpd.de/node/11974?nopaging=1
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Donauwörth, katholisches Kinderheim Heilig-Kreuz

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 28.04.2018 03:36

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QUELLE: SZ.de - Süddeutsche Zeitung @ http://www.sueddeutsche.de/bayern/donauwoerth-gewaltvorwuerfe-gegen-katholisches-kinderheim-in-donauwoerth-1.3878231 :

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22. Februar 2018, 19:06 Uhr

Kirche

Gewaltvorwürfe gegen katholisches Kinderheim in Donauwörth

[ FOTO: Im ehemaligen Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth war von 1916 bis 1977 ein Kinderheim untergebracht. Schutz fanden die Kinder dort offenbar nicht. (Foto: imago) ]

● In einem früheren Kinderheim der katholischen Kirche in Donauwörth soll es Misshandlungen gegeben haben.

● Obwohl das Bistum einigen Betroffenen bereits 2011 eine Entschädigung zahlte, kommen die Vorwürfe erst jetzt an die Öffentlichkeit.

● Die Methoden, von denen die Opfer berichten, erinnern an die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen.

Von Andreas Glas und Johann Osel

Die katholische Kirche ist erneut mit Fällen von brutalen Erziehungsmethoden und Misshandlungen in einem früheren Kinderheim konfrontiert. In Donauwörth, im ehemaligen Kloster Heilig Kreuz, soll es in den Sechziger- und Siebzigerjahren zu willkürlichen Bestrafungen und Gewalt gekommen sein. Zwei Schwestern, die 1965 mit drei Geschwistern in das Heim kamen, berichten von wahllosem Sadismus - "aus dem Beichtstuhl raus und gleich auf den Stuhl und mit dem Rohrstock auf das nackte Hinterteil", sagt eine Betroffene. Zudem soll es sexuelle Übergriffe durch ältere Burschen im Heim gegeben haben. Der Bayerische Rundfunk hat das Martyrium der Frauen am Mittwoch an die Öffentlichkeit gebracht. Nur 24 Stunden später haben sich bereits zwei weitere Betroffene beim Bistum Augsburg gemeldet.

Die Vorfälle bringen das Bistum in Erklärungsnot. Zwar erfuhr es bereits im März 2011 von den Vorwürfen der Schwestern, befand diese für glaubwürdig und zahlte ihnen nur einen Monat später eine Entschädigung. Doch die Öffentlichkeit informierte das Bistum sieben Jahre lang nicht. Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung teilt das Bistum mit, dass in dieser Zeit sogar ein drittes Opfer eine Entschädigung erhielt. Hoffte man, dass die Vorfälle keine Wellen schlagen? Dass sich mögliche weitere Opfer nicht zu Forderungen ermuntert fühlen? Solche Vorwürfe hatte es auch in Regensburg gegeben, wo die Aufklärung des Missbrauchs und der Misshandlungen bei den Domspatzen zunächst zögerlich verlief - und erst Fahrt aufnahm, nachdem sich Opfer an die Medien wandten.

Dass das Bistum sieben Jahre lang stillhielt, rechtfertigt ein Sprecher damit, dass einer der drei entschädigten Betroffenen gebeten habe, "der Öffentlichkeit keine Angaben zu den Zahlungen zu machen. Der Opferschutz und die Persönlichkeitsrechte haben deshalb eine Aufarbeitung dieser Fälle erschwert". Kam dem Bistum nicht in den Sinn, dass es weitere Opfer gegeben haben könnte? Immerhin dürften zwischen 1916 und 1977, als das Heim bestand, Hunderte Kinder dort gewohnt haben. Dass die Kirche die Zahlungen geheim hielt und mit dem Argument "Opferschutz" argumentiert, klingt auch deshalb fragwürdig, weil die Schwestern im BR-Bericht betonen, dass die Misshandlungen endlich an die Öffentlichkeit kommen müssten.

Eigentlich zum Schutz vor ihrem prügelnden Vater waren die Schwestern aus ihrer Familie genommen worden. Im Heim aber erwartete sie offenbar das Gegenteil von Schutz. Damals war körperliche Züchtigung erlaubt; erst 1980 schaffte der Landtag die Prügelstrafe offiziell ab. Allerdings, so die Schwestern, habe die Gewalt im Heim auch damals übliche Erziehungsmethoden "weit überstiegen". Schläge ins Gesicht, bis die Lippe platzte; Zwang, Erbrochenes aufzuessen; stundenlanges nächtliches Knien auf Bügeln; und immer wieder Prügel. Zentrale Figur der Anschuldigungen ist der Pfarrer Max Auer. Er war der Enkel des Lehrers und Verlegers Ludwig Auer, der 1914 gestorben war und die Pädagogische Stiftung Cassianeum, die spätere Heimbetreiberin, hinterließ. Heute trägt diese etwa einen Kindergarten und finanziert religionspädagogische Forschung.

Hört man den Frauen zu, erkennt man weitere Parallelen zum Missbrauch bei den Domspatzen. Freilich stehen 547 Opfern in Regensburg bislang wenige Fälle in Donauwörth gegenüber - doch manche Erziehungsmethoden gleichen sich, erinnern an Foltermethoden. Ein Frau berichtet, sie sei einen Tag lang in einen dunklen Keller gesperrt worden. Ein Hausmeister, der sie schreien hörte, habe sie nicht befreit, sondern mit einem Wasserschlauch bespritzt und im Keller sitzenlassen. Auch in Regensburg berichtete ein Zögling, er habe "stundenlang barfuß und nur in Unterhose bekleidet im dunklen Waschsaal stehen" müssen.

Außerdem, sagen die Frauen, sei es nachts in Donauwörth verboten gewesen, auf die Toilette zu gehen. Wer ins Bett machte, sei – wie in Regensburg – bestraft worden. Als die Erzieherin das feuchte Bett gesehen habe, "gab es zwei Tage nichts zu trinken", sagt eine der Frauen. Regeln wurden offenbar aufgestellt, um weitere Bestrafungen erst möglich zu machen. Nach außen – auch eine Parallele zu Regensburg – war die Heimleitung offenbar bemüht, die Gewalt zu verbergen. Wenn der Bischof Josef Stimpfle zu Besuch kam, sei eine heile Welt inszeniert worden. "Wir waren aufgeputzt, es wurde gesungen."


Die Fälle sind strafrechtlich verjährt

Als sich die beiden Frauen 2011 beim Bistum und der Stiftung Cassianeum meldeten, hatte die Kirche gerade begonnen, auf Fälle von Misshandlungen in ihren Einrichtungen zu reagieren. 2010 war etwa eine Telefon-Hotline vorgestellt worden. Damit wollte man sich "den Erwartungen ehemaliger Heimkinder stellen und sie bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichten nach Kräften unterstützen", hieß es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. Die Kirche beteiligte sich am Fonds Heimerziehung. Den Kontakt zur Donauwörther Stiftung haben laut BR auch die Schwestern gesucht – und wurden zunächst abgewiesen.

Nach dem Bericht teilte Peter Kosak vom Stiftungsvorstand mit: "Was die von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffenen Frauen geschildert haben, hat mich zutiefst bewegt und auch beschämt." Er selbst sei seit Kurzem im Amt – dass die Stiftung überhaupt ein Kinderheim betrieben hat, sei ihm erst durch die Medienanfrage bekannt geworden. Von der Stiftung 2011 angebotene Gespräche seien nicht zustande gekommen. Gleichwohl hätten sich die Frauen an den diözesanen Missbrauchsbeauftragten gewandt.

Die Fälle sind strafrechtlich verjährt. Die Schwestern, 58 und 60 Jahre alt, leiden unter postraumatischen Belastungsstörungen. Ihr Wunsch: Die Sache soll bekannt werden, es sei "traurig, dass diese Zeit so ausradiert ist". Weder im Cassianeum noch im Stadtarchiv fände sich Material zum Heim, so Kosak. Er kündigte an, den Bistumshistoriker zu beauftragen – Betroffene, Ex-Heimbewohner und Zeitzeugen sollen sich melden. Die Stiftung erhoffe sich eine gründliche Aufarbeitung und Dokumentation der Zusammenhänge – diese würden dann entsprechend veröffentlicht.

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Donauwörth, katholisches Kinderheim Heilig-Kreuz

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 29.04.2018 01:08

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Wenn man auf der Homepage der „Pädagogischen Stiftung Cassianeum“ @ http://www.paedagogische-stiftung-cassianeum.de/ ein klein wenig runter scrollt, sind jetzt, erstmalig seit dem 21.04.2018, bzw. seit dem 25.04.2018, folgende Texte dort zu lesen:

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BISTUM AUGSBURG
BISCHÖFLICHES ORDINAT

GENERALVIKARIAT
ZENTRALE DIENSTE
ABTEILUNG KOMMUNIKATION

Telefon:  0821 3166-8320
Telefax:  0821 3166-8329
E-Mail:
  presse@bistum-augsburg.de


Augsburg, 25.04.2018

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Karl-Georg Michel

Aufarbeitung: Erstes Gespräch mit Betroffenen der Missbrauchsfälle im Kinderheim Cassianeum

Augsburg/Donauwörth (25.04.2018). Im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen hat gestern ein erstes Treffen mit früheren Bewohnerinnen und Bewohnern des Kinderheims der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Donauwörth stattgefunden. Im Februar hatten mehrere Fälle körperlicher Gewalt, die sich bis in die frühen 1970er Jahre im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth zugetragen haben, für öffentlichen Gesprächsstoff gesorgt. Die Verantwortlichen der Stiftung, in deren Trägerschaft sich das seit den 1970er Jahren geschlossene Heim befand, haben unmittelbar nach der Berichterstattung über die Vorfälle eine umfassende Aufklärung zugesagt. Es gab daraufhin bereits Kontakte mit Betroffenen. Gestern Nachmittag fand nun auch eine erste Begegnung mit den Betroffenen statt. Der Einladung der Stiftung sind neun Personen gefolgt. Zunächst waren drei Fälle bekannt, nach der Berichterstattung sowie einem öffentlichen Aufruf der Stiftung hatten sich neun weitere Personen gemeldet. In einem Fall wurde dabei auch schwere sexuelle Gewalt angezeigt, die vom früheren, bereits vor Jahrzehnten verstorbenen Heimleiter Prälat Max Auer begangen wurde.


„Die Berichte von den körperlichen und seelischen Qualen der Betroffenen machen uns fassungslos“, betonte Stiftungsvorstand Peter Kosak, der erst seit 1. Dezember 2017 Vorstand der Stiftung ist, während der Veranstaltung. Es sei ihm und der Stiftung ein großes Anliegen, mit den Geschädigten in einen Dialog zu treten. Sofern es ihnen überhaupt möglich sei, bitte er die Betroffenen um Entschuldigung für das Leid, das ihnen damals im Kinderheim widerfahren ist. Sein innigster Wunsch sei es, mit den nun beginnenden Gesprächen auch zur Heilung der tiefen Wunden beizutragen, die ihre Zeit im Kinderheim hinterlassen haben.

Er habe erst durch die Medienrecherchen von den damaligen Vorgängen erfahren. Frühere Heimbewohnerinnen berichteten in erschütternden Beiträgen von ihren schlimmen Erlebnissen und den gravierenden Folgebelastungen.

Vor allem als Zuhörer waren gestern neben Herrn Kosak der Vorsitzende des Stiftungsrats, Hubert Lepperdinger, die Missbrauchsbeauftragte der Diözese Augsburg, Rechtsanwältin Brigitte Ketterle-Faber, sowie die Psychologin Helga Kramer-Niederhauser anwesend. Auch der ehemalige Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Augsburg Manfred Prexl nahm an der Begegnung teil. Er koordiniert im Auftrag des Diözesanbischofs die Aufarbeitung und Dokumentation der damaligen Vorkommnisse. Die Geschädigten erhielten im Verlauf des Treffens Informationen zu Ansprechpartnern sowie zur Aufarbeitung ihrer Erlebnisse im Heim bis hin zur Gewährung von Leistungen in Anerkennung des erfahrenen Leids. Im weiteren Verlauf der Begegnung, die von großer Ernsthaftigkeit, aber auch zunehmendem Vertrauen geprägt war, wurde zudem der Wunsch laut, das Geschehene zu dokumentieren und so auch öffentlich zu würdigen.

„Ich hoffe, dass die Veranstaltung als erster hilfreicher Schritt im Umgang mit einem sehr belastenden Kapitel der Vergangenheit empfunden wurde“, blickt Peter Kosak zurück. „Aber ich bin mir bewusst, dass es nun auch weitergehen muss. Selbstverständlich werden wir die Ergebnisse unserer Gespräche zu gegebener Zeit entsprechend dokumentieren“, kündigt er an. Es sei ihm ein großes Anliegen, dieses so dunkle Kapitel des Kinderheims aufzuarbeiten. Er bedanke sich seitens der Stiftung zudem sehr für die intensive Unterstützung, die er dabei durch die Diözese Augsburg erhalte.


Der Fall Cassianeum habe mittlerweile eine Dimension erreicht, betont hierzu Generalvikar Harald Heinrich, die Bischof Dr. Konrad Zdarsa dazu veranlasst habe, Herrn Prexl mit der Koordinierung der Aufarbeitung zu beauftragen. „Die Schilderungen der Betroffenen erschüttern mich zutiefst, sie machen mich sprachlos. Wir sind ihnen eine Aufarbeitung schuldig“, unterstreicht der Generalvikar. Dies umso mehr, nachdem eine solche zunächst versäumt worden sei.

Briefanschrift: Postfach 11 03 49 – 86028 Augsburg – Haus-/Paketanschrift: Kornhausgasse 2 – 86152 Augsburg

Tel.: (Vermittlung) 0821 3166-0 – Sprechzeiten: nach Vereinbarung


http://www.bistum-augsburg.de

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Pressemitteilung „Kinderheim Cassianeum“

Donauwörth (21.02.2018) Der Vorstand der Pädagogischen Stiftung Cassianeum reagiert mit großer Betroffenheit auf die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks zur Geschichte des Cassianeums. In dem zur Stiftung gehörenden Kinderheim, das schon in den 1970er Jahre geschlossen wurde, hat es Fälle physischer und psychischer Gewalt gegeben. „Was die von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffenen Frauen geschildert haben, hat mich zutiefst bewegt und auch beschämt“, betont Peter Kosak im Namen des Vorstands der Stiftung. „Ihnen gehört deshalb mein Mitgefühl und auch meine Anteilnahme.“ Er könne auch deren persönliches Interesse an einer Aufarbeitung der Vorkommnisse sehr gut nachempfinden, so Kosak weiter. „In der Tat hat es bei Bekanntwerden der Fälle bereits seitens des Cassianeums mehrmals Versuche gegeben, mit den Frauen in Kontakt zu treten und mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen.“ Diese angebotenen Gespräche seien jedoch nicht zustande gekommen. Er könne im Nachhinein sogar gut verstehen, wie schwer es für die Frauen gewesen wäre, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Deshalb ist es bisher dabei geblieben, dass die betroffenen Frauen sich an die diözesanen Missbrauchsbeauftragten gewandt und Leistungen in Anerkennung des Leids, das ihnen dort zugefügt wurde, erhalten haben.

„Ich bin seit zwei Monaten Vorstand unserer Stiftung und somit erst seit wenigen Wochen im Amt. Dass unsere Stiftung überhaupt einmal ein solches Kinderheim betrieben hat, wurde mir persönlich erst durch die Anfrage des Bayerischen Rundfunks bekannt“, betont Kosak. „Zu meinem großen Erstaunen musste ich zudem feststellen, dass es über dieses im Jahr 1977 geschlossene Heim weder im Cassianeum noch im Stadtarchiv Donauwörth bis auf einige wenige Informationen keinerlei Archivbestände mehr gibt.“ Er sehe es deshalb als eine wichtige und vorrangige Aufgabe an, soweit dies nach so langer Zeit überhaupt noch möglich sei, die Geschehnisse von damals aufzuarbeiten. „Wir werden damit den Bistumshistoriker mit seinen Mitarbeitern beauftragen, der uns dabei mit der nötigen Expertise und Distanz unterstützen kann.“ Er erhoffe sich davon eine gründliche Aufarbeitung und Dokumentation der Zusammenhänge. Diese würden dann auch entsprechend veröffentlicht. Zugleich habe er die dringende Bitte an weitere Betroffene, sich entweder bei der Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg oder direkt bei der Stiftung zu melden. Wichtig wäre es ihm aber auch, mit früheren Heimbewohnern oder Zeitzeugen von damals in Kontakt treten zu können.

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 30.04.2018 02:47

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Die Bundesrepublik Deutschland hat ein großes Problem – und wie es dieses Problem lößt:

QUELLE: DIE TAGESZEITUNG junge Welt @ https://www.jungewelt.de/artikel/331509.bund-stellt-sich-dumm.html :

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Aus: Ausgabe vom 27.04.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Bund stellt sich dumm

Arzneimittelversuche an Heimkindern in der BRD: Regierung weiß nichts darüber und sieht keine Verpflichtung, zur Aufklärung beizutragen

Von Jana Frielinghaus

[ FOTO: Der Essener Ralf Aust, hier 1965 als Kind im Franz-Sales-Haus, berichtete Ende 2016 gegenüber dem Stern, dass alle Kinder dort täglich Tabletten einnehmen mussten. --- Foto: Aust/dpa ]

Hintergrund: Konzerne profitieren

Die Pharmakologin Sylvia Wagner befasst sich seit drei Jahren im Rahmen ihrer Dissertation mit Arzneimittelstudien an Heimkindern in der BRD der 50er bis 70er Jahre. Die aufwendige Forschungsarbeit finanziert sie allein. Im September 2016 veröffentlichte sie erste Ergebnisse in der Publikation Sozial.Geschichte Online (Heft 19/2016) der Universität Duisburg-Essen. Wagner durchforstete für ihre Studie viele Jahrgänge von Fachjournalen. Sie war überrascht, mit welcher Offenheit die Verfasser von Forschungsberichten über ihre Versuchsanordnungen mit Heimkindern berichteten. An keiner Stelle fand sie Angaben dazu, ob die Einwilligung von Angehörigen eingeholt worden war. Ebensowenig fand sie kritische Reaktionen auf die Veröffentlichungen.

Die meisten der von Wagner ermittelten Testreihen fanden in Säuglingsheimen statt, in 33 von 50 Berichten ging es um die Erprobung von Impfstoffen, in den anderen überwiegend um Psychopharmaka. Im Forschungsbericht über einen Test des Neuroleptikums Decentan an Kindern im Essener Franz-Sales-Haus ist von »plötzlichen Schreikrämpfen«, »Bewegungsarmut« und »psychisch starker Veränderung« die Rede.

An den Erkenntnissen aus den Versuchen waren vor allem die Pharmafirmen interessiert: Kooperationspartner der Kliniken in Schleswig waren laut NDR beispielsweise die Unternehmen Bayer, Merck, Janssen und UCB. Bayer teilte dem Sender auf Anfrage mit, man sehe keine Veranlassung für Wiedergutmachungsleistungen, da nicht rechtswidrig gehandelt worden sei. Das stimmt insofern, als es vor 1978 keine in einem Bundesgesetz formulierten Vorschriften für Unternehmen hinsichtlich der Erprobung und Zulassung von Arzneimitteln gab. Man habe für die Zeit vor 1978 zudem »keine Dokumente gefunden, die auf eine Verbindung unseres Unternehmens mit der Durchführung von Prüfungen mit diesen Präparaten in Kinderheimen« hinweisen, teilte der Konzern mit.

Nach Ansicht von Christian Schrapper, Pädagogikprofessor an der Universität Koblenz-Landau, zeigt sich im Umgang mit den Heimkindern der in der BRD noch lange nachwirkende Geist der Nazizeit. In den Einrichtungen der Jugendfürsorge sei er bis in die 60er Jahre von Vorstellungen über die Minderwertigkeit zum Beispiel von Kindern aus schwierigen familiären Verhältnissen geprägt gewesen. Daraus ergebe sich das Verständnis von Heimkindern als »Menschenmaterial, das für medizinische Versuche genutzt werden kann«, zitierte ihn die Ärztezeitung nach Wagners Veröffentlichung im November 2016. (jf)


kurzlink.de/studie_wagner [ Siehe @ http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf ]

[ u.a. ] kurzlink.de/Schleswig [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Heimkinder-Kritik-an-Aufarbeitung-des-Landes,heimkinder194.html ]

[ Siehe diesbezüglich desweiteren auch: »Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND« @ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?f=30&t=151 ]

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Seit etwa zwölf Jahren sind die Grausamkeiten, die Hunderttausende Kinder in Einrichtungen der Jugendfürsorge der alten Bundesrepublik erlitten haben, ein öffentliches Thema. Anfang 2009 wurde auf Druck ehemaliger Insassen von der damaligen Bundesregierung von CDU, CSU und SPD der »Runde Tisch Heimerziehung« (RTH) eingerichtet. Ende 2010 veröffentlichte das Gremium einen Abschlussbericht, zudem wurde der Hilfsfonds »Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1975« eingerichtet. Zahlungen daraus erhielten jedoch nur Menschen, die Folgeschäden und materielle Bedürftigkeit nachweisen konnten. Vom RTH angehörte ehemalige Heimkinder berichteten über fortgesetzte psychische und körperliche Misshandlungen, vorenthaltene Löhne – und darüber, dass sie dauerhaft zur Einnahme von Medikamenten gezwungen worden sind. Vielfach handelte es sich dabei um Psychopharmaka zur Ruhigstellung. Oft wussten die Betroffenen gar nicht, was ihnen da teilweise gewaltsam verabreicht worden war. Gerade das letztgenannte Thema wurde vom RTH jedoch nur am Rande abgehandelt. In seinem Abschlussbericht heißt es dazu, wenn es zu »generellen und kollektiven Behandlungen bzw. Sedierungen gekommen« sei, die »weniger den Kindern und Jugendlichen als der Disziplin im Heimalltag oder gar der Erforschung von Medikamenten zuträglich waren, ist dies als Missbrauch zu beurteilen und erfüllt ggf. den Tatbestand der (schweren) Körperverletzung – auch nach damaligen Maßstäben«. Ob und in welchem Umfang so etwas vorgekommen sei, könne »so viele Jahre später schwer beurteilt werden«.

Kann es doch. Gezeigt hat das zunächst die Pharmakologin Sylvia Wagner mit ihrem Forschungsprojekt zu Arzneimitteltests an Heimkindern in der BRD (siehe Spalte). Sie hat in 50 Fällen belegen können, dass es in staatlichen und kirchlichen Fürsorgeeinrichtungen Versuchsreihen an Minderjährigen gab, die zudem oft unter der Regie von Ärzten mit Nazivergangenheit stattfanden. In der Folge recherchierten Medien weiter, mehrere Landesparlamente und -regierungen befassten sich mit dem Thema.

Die Bundesregierung allerdings sieht sich nicht in der Pflicht, zur Aufklärung beizutragen, Behörden und Unternehmen zur Öffnung ihrer Archive zu veranlassen oder über einen weiteren Entschädigungsfonds nachzudenken. Das macht ihre Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vom 18. April deutlich, die jW vorliegt. In ihrer Vorbemerkung verweist Sabine Weiss (CDU), Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, auf die Arbeit des RTH und die Einrichtung des erwähnten Fonds sowie die Einrichtung der Stiftung »Anerkennung und Hilfe« von Bund, Ländern und Kirchen für ehemalige Insassen von Psychiatrien und Behindertenheimen Ende 2016. Damit sieht das Ministerium die Arbeit der Bundesregierung als erledigt an. Zudem wird darauf verwiesen, dass aufgrund des bis 1978 kaum gesetzlich regulierten Arzneimittelmarktes strafrechtliche Konsequenzen für damalige Akteure auszuschließen seien. Weiter schreibt Weiss u. a.: »Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse zu ›Arzneimitteltests‹ an Heimkindern vor.«

Sylvia Gabelmann, Sprecherin der Linksfraktion für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte, die die Fragen zusammen mit Kollegen eingereicht hatte, ist empört: »Die Bundesregierung stellt sich hier dümmer, als sie ist«, sagte sie am Donnerstag gegenüber jW. Schon mittels einer kleinen Internetrecherche könne jeder Laie innerhalb kürzester Frist umfangreiche Informationen darüber erhalten, dass es Medikamentenstudien an Kindern in den 50er und 60er Jahren mindestens in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen gegeben hat.

Pharmakologin Wagner sieht sowohl die Länder als auch den Bund in der Pflicht. Auf allen Ebenen müssten diesbezüglich umfangreiche Forschungsaufträge vergeben werden, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit jW und erinnerte daran, dass an Tests von Impfstoffen auch Bundesbehörden beteiligt waren. Die »Stiftung Anerkennung und Hilfe« sei zudem nur für Menschen geschaffen worden, die in Behindertenheimen und Psychiatrien gelitten haben. Nachträglich sei gesagt worden, dass auch Opfer von Arzneimitteltests dort Anträge auf Unterstützung stellen könnten. Doch solche Versuche habe es auch in »normalen« Kinderheimen gegeben. Die Bundesregierung teilte der Linksfraktion mit, sie beabsichtige nicht, den Auftrag der Stiftung zu erweitern.

Von vielen Untersuchungsreihen dürften Landesbehörden mindestens Kenntnis gehabt haben. So fand Wagner in Fachzeitschriften zwei Untersuchungsberichte aus der Kinderpsychiatrie des Landesklinikums in Schleswig-Hesterberg. Ein NDR-Team stieß bei Recherchen auf sechs weitere Aufsätze über Tests in derselben Einrichtung – und auf mehr als 30 Schilderungen von Versuchen in der Erwachsenenpsychiatrie in Schleswig-Stadtfeld. Nach Berechnung der Journalisten wurden an den beiden Landeskliniken von 1953 bis 1978 Medikamente an rund 3.500 Probanden getestet, darunter etwa 1.000 Kinder. Der neue Gesundheitsminister von Schleswig-Holstein, Heinrich Garg (FDP), kündigte im Oktober an, er wolle die beteiligten Pharmafirmen »ansprechen«. Ob das Land mutmaßlich Betroffenen Entschädigungen zukommen lässt, macht Garg vom Ergebnis einer Studie abhängig, für die sein Haus 100.000 Euro bereitstellen will.

Für Niedersachsen hat Wagner u. a. nachgewiesen, dass an der früher landeseigenen psychiatrischen Klinik in Wunstorf bei Hannover noch in den 70er Jahren an mehreren hundert Kindern Medikamente erprobt wurden.

Mehr aus: Schwerpunkt


Zweierlei Maß bei Medikamententests [ Siehe @ https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/331510.zweierlei-ma%C3%9F-bei-medikamententests.html ]

Nur für angebliches DDR-Unrecht fühlt sich der Bund in jedem Fall zuständig.


Jana Frielinghaus
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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 01.05.2018 02:30

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FR - Frankfurter Rundschau, FREITAG, 27. APRIL 2018

QUELLE: http://www.fr.de/rhein-main/heimkinder-in-hessen-im-heim-war-das-leben-zu-ende-a-1494914

Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Hessen und insbesondere in Bezug auf Heime auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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[ Freitag, 27. April 2018, um ca 16:00 Uhr ]

Heimkinder in Hessen [ Zum Profil des Autors @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

„Im Heim war das Leben zu Ende“

Die Evangelische Kirche legt einen Bericht über das Leid der Heimkinder in Hessen und Nassau vor. Danach hat es keine medizinischen Versuche gegeben. Auch so sind die Ergebnisse erschreckend genug.

Von Peter Hanack

[ FOTO: LUFTBILD: Von oben eine Idylle mit viel Grün, in der Geschichte aber auch ein Platz mit schrecklichen Seiten: der Hephata-Komplex in Schwalmstadt-Treysa. Foto: Hephata-Diakonie ]

Schreckliche medizinische Versuche an Heimkindern wie in der Hephata-Einrichtung im nordhessischen Treysa hat es in den Heimen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wahrscheinlich nicht gegeben.

Die Historikerin Anette Neff hat im Auftrag der EKHN die Geschichte der Heime und Heimkinder von 1945 bis 1975 zu ergründen versucht. „Ich bin bei meinen Recherchen auf keinen Fall gestoßen, bei dem es im Bereich der EKHN den massenhaften Einsatz von Medikamenten oder missbräuchliche Medikamententests an Kindern oder Jugendlichen gegeben hätte“, sagte Neff am Donnerstag [ 26.04.2018 ] in Frankfurt. Ausschließen aber könne sie solchen Missbrauch nicht, wie ihn die Wiesbadener Filmemacherin Sonja Toepfer bei Recherchen in Hephata entdeckt hatte.

Neff hat der noch bis Samstag tagenden Synode der evangelischen Kirche den Projektbericht zur Situation der Heimkinder vorgestellt. Die Ergebnisse sind auch ohne Erkenntnisse über medizinische Versuche erschreckend genug.

Mindestens 43 Heime in evangelischer Trägerschaft hat Neff gefunden. Ob es den Kindern und Jugendlichen dort gut oder schlecht ging, das sei dem Zufall überlassen gewesen, sagt sie. „Über Wohl und Wehe entschied der Geist, der in einem Haus herrschte.“ Wie die Insassen behandelt wurden, hin häufig von einzelnen Mitarbeitern ab. Diese waren, so Neff, in aller Regel nicht für einen pädagogisch sinnvollen Umgang mit Kinder und Jugendlichen qualifiziert, die dort oft Jahre verbringen mussten.

Die Gründe, ins Heim zu kommen, waren vielfältig und oft lapidar. Schwierige familiäre Verhältnisse, Schwierigkeiten in er Schule, ein kleiner Diebstahl genügten zur Einweisung durch Richter oder Jugendämter. Die Folgen für die Betroffenen waren gravierend. Körperliche Misshandlungen bis hin zur Vergewaltigung, Schweigegebote, Isolierung, Demütigungen etwa durch das Verbot, die Toilette aufzusuchen – all das musste Heimkinder in den Nachkriegsjahren durchmachen.

„Ich kam in ein Heim und mein Leben war zu Ende“, zitiert Neff eine Betroffene. „Das Gefühl, 24 Stunden am Tag eingeschlossen zu sein, das ist wie Zuchthaus.“ Und in der Tat sei es zumeist darum gegangen, Kinder und Jugendliche zu disziplinieren, eine strenge Ordnung im Heim aufrecht zu erhalten. Hilfen für den Einzelnen habe es nur selten gegeben.

Die EKHN bemüht sich seit Jahren um Aufklärung über das Schicksal der Heimkinder. Mit der Vorstellung des Films ist die vor sechs Jahren begonnene Aufarbeitung nun abgeschlossen.

Aus dem Projekt sind neben einem Dokumentarfilm pädagogisches Material und eine Ausstellung hervorgegangen. Ehemalige Heimkinder, Mitarbeiter und Ärzte berichten dort von ihren Erlebnissen und Beobachtungen. Kurze Ausschnitte des Films der Filmemacherin Toepfer bekamen die Mitglieder der Synode am Donnerstag [ 26.04.2018 ] zu sehen.

Der gesamte Film soll im Juni [ 2018 ] in einem geschlossenen Rahmen unter Anwesenheit von Betroffenen gezeigt werden, bevor ihn am 25. Juni [ 2018 ] eine breitere Öffentlichkeit vorgestellt bekommt. Film und Ausstellung sollen dann an Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ausgeliehen oder in Bildungseinrichtungen gezeigt werden.


Mehr zum Thema

● Fotostrecke: Heilanstalt Mammolshöhe [ Siehe @ http://www.fr.de/fotostrecken/cme27003,1061373 ]
● Euthanasie: Furchtbares Kapitel [ Siehe @
http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/heilanstalt-mammolshain-furchtbares-kapitel-a-1452281 ]
● Heimkinder: Kritischer Hirneingriff [ Siehe @
http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/hessen-aerztekammer-sieht-hirneingriff-kritisch-a-1449021 ]
● Interview: „Jeder wurde mit dem Zeug abgefüllt“ [ Siehe @
http://www.fr.de/rhein-main/hephata-in-treysa-jeder-wurde-mit-diesem-zeug-abgefuellt-a-1449687 ]

Peter Hanack

Redakteur, Frankfurt & Rhein-Main
Zum Profil des Autors [ @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

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Zur Sache

Aufarbeitung

Im Dezember 2006 gab es im Deutschen Bundestag eine Anhörung von ehemaligen Heimkindern. Sie berichteten von den schlimmen Verhältnissen in den Heimen der Nachkriegszeit, die von Kirche, Staat oder freien Trägern unterhalten wurden.

2009 lud der Hessische Landtag 50 Heimkinder zur Anhörung ein. Es folgte eine Entschuldigung des Landtags für das Leid. 2013 brachte die EKHN ihre Aufarbeitung auf den Weg. Pgh

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 03.05.2018 04:34

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QUELLE: Ärzte Zeitung @ https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/medizinethik/article/962895/medikamentenversuche-informationen-tests-heimkindern.html

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Ärzte Zeitung online, 02.05.2018

Medikamentenversuche

Wenig Informationen über Tests an Heimkindern

BERLIN. Die Gesundheitsbehörden können offenbar nur wenig zur Aufklärung von Medikamentenversuchen an Heimkindern in den Jahren von 1949 und 1975 beitragen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Links-Fraktion im Bundestag hervor.

Demnach verfügen sie "über relativ wenige Informationen" dazu. Die Linke hat unter anderem wissen wollen, welche Angaben das Bundesgesundheitsamt (BGA) oder Nachfolgebehörden zu Arzneimittelstudien innerhalb dieses Zeitraums in Heimen machen könnten.

Die Bundesregierung verweist darauf, dass das erst 1961 eingeführte Arzneimittelgesetz wie auch andere frühere gesetzliche Vorschriften weder Regelungen für die Zulassung von Arzneimitteln noch für klinische Prüfungen vorgesehen hätten.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie dem Paul-Ehrlich-Institut seien keine Unterlagen zu solchen Studien zu Zeiten des BGA (1952-1994) bekannt. Das gelte auch für das Robert Koch-Institut.

Es sei erschreckend, dass sich die Bundesregierung komplett unwillig zeige, "an der Aufdeckung der Verstrickung von Bundesbehörden in die
grauenvollen Arzneimitteltests an Heimkindern in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mitzuwirken", kommentierte Sylvia Gabelmann, Sprecherin für Arzneimittelpolitik der Links-Fraktion [ Siehe @ https://www.aerztezeitung.de/panorama/article/924075/medikamententests-heimkindern-betroffener-erzaehlt.html?sh=1&h=1477402662 ]

Wenn man den Antworten der Bundesregierung glaube, hätten die Bundesbehörden offensichtlich alle Unterlagen zu etwaigen Verwicklungen des damaligen Bundesgesundheitsamtes mit Arzneimittelstudien an Heimkindern verloren, versteckt oder vernichtet, so Gabelmann.

Im Abschlussbericht des von der Bundesregierung einberufenen Runden Tischs "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" hieß es, sollte es in Heimen zu kollektiven Behandlungen oder Sedierungen gekommen sein, die der Erforschung von Medikamenten gedient hätten, sei dies als Missbrauch zu beurteilen und erfülle den Tatbestand der schweren Körperverletzung. (bar)

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 04.05.2018 07:18

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DEUTSCHLANDFUNK

QUELLE: http://www.deutschlandfunk.de/medikamententests-gottlose-pillen.886.de.html?dram:article_id=415680 :

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01.05.2018

Medikamententests

Gottlose Pillen

Medikamente wurden in den 50er- und 60er-Jahren an Menschen mit Behinderung getestet, auch in kirchlichen Einrichtungen. Wie war es möglich angesichts des christlichen Leitbilds? Die Rotenburger Werke und die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel lassen nun dieses Kapitel ihrer Geschichte untersuchen.

Von Charly Kowalczyk

[ FOTO: Die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld stehen wegen heimlicher Medikamententests an Kindern in den 1950er-Jahren in der Kritik (dpa/ picture-alliance/ Wolfgang Moucha) ]

"Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Er hat eine unverlierbare Würde und einen unschätzbaren Wert. (Leitbild, Rotenburger Werke)

"Und natürlich war ich auch erschrocken, als ich feststellen musste, dass vieles dafür spricht, dass es eben auch Medikamentenversuche in den Rotenburger Werken gegeben hat und dass Psychopharmaka zum Teil in großen Mengen verabreicht wurden und dass wir aus jetziger Sicht auch nicht immer Einwilligungserklärungen vorliegen hatten", sagt Jutta Wendland-Park.

"Ich glaube, das nützt auch keiner Einrichtung, wenn sie versucht, das zu vertuschen, oder versucht, das auszusitzen. Das hilft auf Dauer nicht. Man muss dazu stehen, dass auch Menschen da waren, die Fehler gemacht haben, dass auch Menschen da waren, die ihre Macht missbraucht haben", sagt Ulrich Pohl.

2014 begann die Pharmazeutin Sylvia Wagner mit ihren Forschungen über Medikamentenversuche an Heimkindern. Sie erzählt:

"Mir haben viele ehemalige Heimkinder, die ich so im privaten Umfeld eben kenne, berichtet, dass sie in den Einrichtungen Medikamente bekommen haben. Deswegen hatte ich ursprünglich geplant, zu dem Thema allgemein der medikamentösen Sedierung, also Ruhigstellung durch Medikamente in den Heimen zu recherchieren und dazu meine Doktorarbeit zu machen. Im Rahmen dieser Recherchen bin ich eben darauf gestoßen, dass da tatsächlich auch Versuche gemacht worden sind. Das war, ja, fast zufällig."

Gut 60 Hinweise auf Arzneimitteltests an Heimkindern oder an Menschen mit Behinderung fand die Apothekerin in medizinischen Fachzeitschriften sowie in Archiven der Pharmafirma Merck und den Behringwerken. Auch eine Reihe anderer Pharmaunternehmen haben an besonders verletzlichen Gruppen Neuroleptika, Psychopharmaka, Impfstoffe oder triebhemmende Arzneimittel getestet. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen sind ungewiss.


Medikamentenversuche in den 50er- und 60er-Jahren

"Mein Name ist Jutta Wendland-Park. Ich bin Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke seit 2006." [ vormalig „Rotenburger Anstalten“ genannt ]

In dem kleinen Städtchen Rotenburg zwischen Hamburg und Bremen sollen in den 50er- und 60er-Jahren Psychopharmaka an Menschen mit Behinderung getestet worden sein. Heute leben in der 1880 gegründeten Einrichtung über 1100 Menschen, die auf Betreuung angewiesen sind. Das christliche Menschenbild spielt eine große Rolle im Selbstbild des Unternehmens.

Jutta Wendland-Park sagt:"Für mich persönlich schon, weil ich als Pastorin, die ich bin, bewusst hierher gekommen bin, weil es eine diakonische Einrichtung ist und für mich Verkündigung von Wort und Tat eng zusammengehören. Also es gibt eine Loyalitätsrichtlinie und die besagt natürlich, dass Menschen, die hier arbeiten, einer Kirche angehören sollten. Wir sehen natürlich, dass im Zuge der säkularen Gesellschaft auch dies immer herausfordernder wird und es ist ja auch jetzt schon zu einer, ich sag mal, zu einer Öffnung gekommen. Aber für alle Führenden und Leitenden ist das ganz wichtig, und die sind Mitglied der Kirche."

Ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner der Rotenburger Werke berichten, Beschäftigte der diakonischen Einrichtung in den 50er- und 60er-Jahren hätten gegen sie Gewalt angewendet. Auch der Vorwurf sexueller Übergriffe steht im Raum. Nun ist auch noch der Verdacht aufgekommen, dass im Unternehmen Medikamentenversuche an Menschen mit Behinderung stattgefunden haben.

Jutta Wendland-Park dazu:"Und dieses hat uns dann veranlasst, zu sagen: Wir sollten dieses Thema Gewalt – und als ein spezielles Thema eben auch die Vergabe von Medikamenten – noch einmal von einem neutralen Historiker-Team erforschen lassen und das haben wir gemacht."

"Als diakonisches Unternehmen ist der Mensch für uns Maßstab unseres Handelns." (Leitbild, Rotenburger Werke)

"Ich bin davon überzeugt, dass es zu allen Zeiten viele Menschen gegeben hat, die wirklich alles Bestmögliche getan haben, die sehr engagiert waren und die das auch mit einem christlichen Hintergrund getan haben", sagt Wendland-Park. "Nichtsdestotrotz, wenn wir auf die Geschichte gucken, müssen wir auch feststellen, dass tatsächlich Anspruch und Wirklichkeit auch auseinander geklafft haben an vielen Punkten und wir dem nicht gerecht geworden sind, was wir uns eigentlich auch wünschen für die Menschen, die hier leben. Das ist schmerzlich und es bedarf auch der Fragen, woran liegt das, dass manchmal die diakonische Ausrichtung so was nicht verhindert hat."


Behinderteneinrichtungen als Verwahranstalten

Die Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke will dem Abschlussbericht der Historikerkommission in diesem Frühjahr nicht vorgreifen. Sie möchte auch nichts Falsches sagen. Also ringt Jutta Wendland-Park nach Worten, sucht nach Erklärungen, warum damals dieser Missbrauch nicht verhindert werden konnte.

"Es gab keine qualifizierten pädagogischen Mitarbeiter, zumindest nicht in den 50er-, 60er-Jahren, das kam später erst", so die Vorstandschefin. "Es gab eigentlich eine Annäherung an das, was wir so totale Institution nennen: Also es gab schon eine sehr ausgeprägte Machthierarchie und demgegenüber stand aber kein unabhängiges Kontrollsystem, was sehr wichtig ist. Und man muss auch, denke ich, sagen, dass die Stellung von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft noch eine andere war. Sie wurden leider mit ihren Bedarfen, ihren Bedürfnissen, nicht so wahrgenommen und ernst genommen, wie wir es Gottseidank heute tun."

In den 50er-, 60er-Jahren waren Behinderteneinrichtungen in der alten Bundesrepublik und der ehemaligen DDR meist überbelegte Verwahranstalten. Keine sichere Heimstatt für Menschen mit Behinderung: der Ton der Pflegekräfte rau, der Umgang hart, da blieb wenig Raum für Nächstenliebe. Die Zöglinge untergebracht in Mehrbettzimmern, ohne Recht auf Intimität und schon gar nicht auf Sexualität. Ausgeliefert den Ärzten und Heimleitungen. Heute sei vieles anders, erzählt Jutta Wendland-Park. Fast alle hätten Einzelzimmer, Ärzte seien nicht mehr allmächtig, und es gebe interdisziplinäre Teams, die sich um die Menschen kümmern, die auf Betreuung angewiesen sind.

"Wir sind der Überzeugung, dass man aus dem Vergangenen lernen kann und lernen muss. Wir können nicht ungeschehen machen, was an Unrecht passiert ist, aber was wir tun können ist Verantwortung zu übernehmen, indem wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und uns die Gegenwart angucken und Systeme schaffen, die solches in Zukunft verhindern."


"Ich glaube nicht, dass das christliche Weltbild das verhindern kann"

Luminal, G 34276, Chlorprothixen, Ketotofranil, Haloperidol, Dipiperon, G 35259, Tegretal, H 502, Tofranil.

"Jeder hat vor Gott einzigartigen Wert; darum schützen wir das Lebensrecht der Schwächeren vor den Stärkeren." (Grundsätze: v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel)

"Bethel ist eine Einrichtung, die 1867 gegründet wurde, hat begonnen mit der Behandlung von epilepsiekranken, jungen Männern, das waren damals drei oder vier, heute begleiten wir etwa 230.000 Patienten im Jahr", sagt Ulrich Pohl.

Die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld [ vormalig die „von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“ genannt (zu welchen auch „Anstalt Freistatt im Wietingsmoorin Niedersachsen gehört) ] sind das größte Sozialunternehmen in Europa. Vorstandsvorsitzender ist seit 2008 Pastor Pohl.

Er sagt:"Dabei steht dann immer in der Mitte der behinderte Mensch, aber es steht auch im Mittelpunkt unser christliches Miteinander."

In der Epilepsieklinik Mara, die zu Bethel gehört, soll im Januar 1961 das Arzneimittel Encephabol eingesetzt worden sein, das sich auf das zentrale Nervensystem auswirkt. Offiziell brachte die Darmstädter Firma Merck das Mittel erst 1963 auf den Markt. Ein Oberarzt des evangelischen Krankenhauses soll damals 17.000 Dragees zu Testzwecken erhalten haben.

Ulrich Pohl dazu: "Ich glaube nicht, dass das christliche Weltbild das wirklich verhindern kann. Ich glaube, da braucht es genauso Kontrolle wie in allen anderen Einrichtungen auch."

Der Vorstand reagierte sofort, als die Vorwürfe bekannt wurden. Die diakonische Einrichtung in Bethel musste sich auch schon in der Vergangenheit mit Missbrauchsfällen auseinandersetzen. Nun wurde eine unabhängige Kommission von Expertinnen und Experten eingesetzt. Auch wenn sich mancher Vorwurf im Nachhinein vielleicht nicht bestätigen lasse, müsse man aufklären, meint Ulrich Pohl.

"Wir haben dabei festgestellt, dass wir an vielen Stellen der damaligen Rechtslage entsprechend nicht mit Angehörigen oder Betreuern oder so vorher gesprochen haben, sondern Medikamente eingesetzt worden sind. Wir haben Historiker daran gesetzt, aber auch Mediziner, die Akten durchsehen und die dann nach der Durchsicht der Akten dann uns allen einen Bericht anfertigen, den wir dann auswerten müssen. Nach dem jetzigen Eindruck sieht es so aus, als wenn wir davon nur sehr wenig betroffen wären."


"Bis 1978 war dafür keine Genehmigung notwendig"

Angestoßen durch Arzneimittelskandale wie den um das Beruhigungsmittel Contergan, das schwangeren Frauen empfohlen wurde und zu Tausenden missgebildeten Kindern führte, wurden die Regeln bei medizinischen Tests verschärft - 1978 trat ein neues Arzneimittelgesetz in Kraft. Zuvor konnten Pharmaindustrie und Ärzte fast ohne Kontrolle testen, an wem und wann immer sie wollten. So sehen es einige Wissenschaftler. Andere gehen davon aus, dass man auch damals schon bei klinischen Prüfungen das Einverständnis der Testpersonen oder ihrer gesetzlichen Betreuer einholen musste.

"Richtig ist: Bis 1978 war dafür keine Genehmigung notwendig. Insofern sehe ich auch nicht, dass ein Arzt sich jetzt irgendwo juristisch falsch verhalten hätte", sagt Pohl.

Gesetzlich war es vielleicht möglich – aber müssten kirchliche Einrichtungen, in denen die christlichen Werte hochgehalten werden, nicht besonders verantwortungsvoll agieren?

"Natürlich spüre ich das Dilemma", gibt Pohl zu. "Und das ist natürlich bei jedem Patienten auch die Frage: Welche Folgeschäden hat er erlitten, wenn er welches Medikament genommen hat. Jedenfalls dann, wenn der Patient oder sein Betreuer oder sein näherer Verwandter nicht informiert worden ist, halte ich das ethisch für nicht zu rechtfertigen, selbst wenn es juristisch noch im grünen Bereich ist. Das ist meine Position an dieser Stelle."

"Wir rechnen mit unserer Schuldverflochtenheit und unserem Versagen; darum sind wir bereit mit Konflikten zu leben, Fehler einzugestehen, Gewalt zu vermeiden und Schuld zu vergeben." (Grundsätze: v. Bodelschwinghsche Stiftungen, Bethel)

"Ich glaube nicht, dass wir Christen perfekt sein müssen", sagt Pohl. "Ich glaube, wir sind das nie gewesen und wir feiern ja auch das Reformationsjubiläum und Luther, der selbst Fehler genug gemacht hat, war aber ein Mensch, der uns darauf sehr hingewiesen hat, dass wir sündige Menschen sind, Fehler machen, vor Gott und vor unseren Mitmenschen. Das ist auch der einzige Weg, um auch auf Dauer in unserer offenen und freien Gesellschaft zu bestehen. Wenn wir behaupten würden, wir sind fehlerfrei, dann ist jede Aufdeckung eines Fehlers ein Skandal, das halte ich für den falschen Weg."

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 10.05.2018 00:19

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Die Tablettenkinder

Wie Heimkinder zu Versuchsobjekten wurden

Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Bayern.

QUELLE: BR.de - Bayerischer Rundfunk @ https://www.br.de/nachrichten/wie-heimkinder-zu-versuchsobjekten-wurden-100.html :

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Die Tablettenkinder

Wie Heimkinder zu Versuchsobjekten wurden

Pharmafirmen haben an Heimkindern Medikamente getestet - ohne Einverständnis, bis in die 1970er Jahre hinein. Die Aufarbeitung dieses Unrechts geht in Bayern schleppend voran. Offiziell ist dem Freistaat nur ein einziger Fall bekannt. Nachforschungen von BR Recherche zeigen: Es gibt Hinweise auf mehr Testreihen.

Von: Christiane Hawranek, Pia Dangelmayer

Stand: 09.05.2018 | Bildnachweis


BR Recherche: Heimkinder für Medikamententests missbraucht

Im mittelfränkischen Hilpoltstein wurde ein zehnjähriges Heimkind im Jahr 1975 zum medizinischen Versuchsobjekt - ohne sein Einverständnis. Das geht aus Dokumenten hervor, die BR Recherche vorliegen. Demnach musste der Junge damals ein Präparat schlucken, das noch nicht auf dem Markt war. Im Rahmen einer Arzneimittelprüfung. Heute ist Martin Hackl Mitte 50, schwer lungenkrank und kann sich kaum bewegen. Erst vor anderthalb Jahren ist er durch Zufall auf die Dokumente in seiner Heimakte gestoßen. Dem BR sagte er, er fühle sich betrogen und wolle mehr über das Ausmaß des Tests erfahren.

Nebenwirkungen und Todesfälle

Als Kind galt Martin Hackl als "umtriebig" und "schwachsinnig". Damals konnte er laufen und sprechen. Aus den Unterlagen geht auch hervor: Der sechswöchige Test verändert das Wesen des Jungen, irgendwann wehrt er sich dagegen, die Tabletten zu nehmen. Eine Einverständniserklärung liegt seiner Akte nicht bei. Ein Auszug aus den Aufzeichnungen des Heimarztes vom Februar 1975:

"Von Martin wird berichtet, er bekomme laufend Wutanfälle, einen nach dem anderen, er lasse sich nicht anfassen, schreie und höre gar nicht mehr auf damit. Alles was man bisher mit ihm habe machen können sei unmöglich."
Heimakte von Martin Hackl

Das Präparat wurde ein Jahr nach dem Test, ab 1976, als Antidepressivum unter dem Namen Alival verkauft. Zehn Jahre später musste es die Pharmafirma Hoechst vom Markt nehmen - wegen Todesfällen und gravierender Nebenwirkungen an Leber, Niere und Lunge. Ob auch Martin Hackl Spätfolgen erlitten hat? Nachweisen lässt sich das jetzt, 40 Jahre nach dem Test, nicht mehr. Der Hersteller gehört heute zu Sanofi. Auf Nachfrage von BR Recherche schreibt die Pressestelle, man habe "keine Hinweise" auf Tests mit Heimkindern.

Heimleitung entschuldigt sich nach BR-Recherche

Und das Heim? Die Rummelsberger Diakonie hat sich bei Martin Hackl für das Experiment inzwischen entschuldigt. Ein Wissenschaftler soll nun im Auftrag des Heims herausfinden, wie viele Kinder in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu Versuchsobjekten wurden.

"Hauptsache, es kommt raus, dass wir wirklich willig sind, das aufzuarbeiten und dass wir uns eigentlich auch schämen für das, was da passiert ist."

Georg Borngässer, Pressesprecher der Rummelsberger Diakonie

Bundesweit 50 Testreihen

Deutschlandweit haben Wissenschaftler etwa 50 Testreihen an Heimkindern in den 1950er bis 1970er Jahren nachgewiesen – darunter auch Tests mit Impfstoffen und mit Psychopharmaka in Bayern [ Siehe @ https://www.br.de/nachrichten/verdraengtes-leid-medikamententests-an-heimkindern-100.html ]. Auch in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt in Kaufbeuren haben Ärzte das Präparat "T57" der Pharma-Firma Merck an Kindern getestet. Das belegen Unterlagen, die BR Recherche im Merck-Archiv einsehen konnte. Das Prüfpräparat wurde im Herbst 1957 an den Leiter der Kinderabteilung geschickt, mit dem Ziel, mehr über die Dosierung bei Kindern herauszufinden. Für einen Bericht über mögliche positive Ergebnisse würde sich Merck "selbstverständlich gerne erkenntlich zeigen".

Tests auch in Kaufbeuren

Auf die BR-Recherchen hin hat das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren den Düsseldorfer Medizinhistoriker Professor Heiner Fangerau damit beauftragt, den Test im Jahr 1957 zu untersuchen. Er arbeitet auch an einer bundesweiten Studie zum Thema und sagt, die Tests in den Einrichtungen hätten schon damals gegen medizinethische Standards verstoßen. Denn bisher konnte er keinerlei Einverständniserklärung zu den Versuchen finden.

"Mit diesem Blick von heute auf diese Kinder und diese Zeit finde ich es nicht in Ordnung, weil wir zum Beispiel im Moment noch nicht wirklich finden, ob die Kinder und ihre Eltern aufgeklärt worden sind über mögliche Nebenwirkungen."

Heiner Fangerau, Medizinhistoriker

Offiziell nur ein Fall in Bayern

Das Bayerische Sozialministerium schreibt auf BR-Nachfrage, es gebe bayernweit nur einen einzigen belegten Fall eines Medikamententests im Heim, nämlich den von Martin Hackl. Und weiter: Medizinische Versuche ohne Einwilligung seien heute und auch damals Unrecht. Welche Dimension dieses Unrecht hatte, ist noch nicht klar. Bei dessen Aufarbeitung steht Bayern noch ganz am Anfang.

Die Stiftung Anerkennung und Hilfe von Bund, Ländern und Kirchen zahlt noch bis Ende 2019 Geld aus einem Fonds an ehemalige Heimkinder aus Psychiatrien und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Voraussetzung ist, dass sie zwischen 1949 und 1975 dort Leid und Unrecht erlebt haben. Informationen gibt es hier:

http://www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de


Aufgedeckt - der investigative Podcast: Gewalt, Missbrauch, Zwang: Viele Heimkinder mussten das in den Nachkriegsjahrzehnten erleiden. Allmählich kommt ans Licht, dass Heimkinder bis in die 70er-Jahre zudem Opfer von Medizinversuchen wurden. Und erst jetzt, auch durch BR-Recherchen, beginnt in Bayern die Aufklärung. Den Bayern 2-Podcast zum Thema finden Sie hier [ Siehe @ https://www.br.de/mediathek/podcast/aufgedeckt-der-investigative-podcast/653 ].
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Re: Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

Beitragvon Gulliver » 18.05.2018 09:52

Es ist einfach immer wieder schockierend, was alles ans Licht kommt...
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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 19.05.2018 06:50

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QUELLE: BIZEPS - Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (Schönngasse 15-17/4, 1020 Wien, Österreich) @ https://www.bizeps.or.at/entsetzen-ueber-medikamentenversuche-in-deutschland/

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Entsetzen über Medikamentenversuche in Deutschland

12.05.2018, 8:55 Uhr --- kobinet-nachrichten

Der am 9. Mai 2018 ausgestrahlte und mittlerweile auch ins Internet eingestellte Bericht des Magazins Kontrovers im Bayerischen Fernsehen über Medikamentenversuche an behinderten Menschen, die in Behinderteneinrichtungen lebten, hat viele berührt und Entsetzen ausgelöst.

Während das bayerische Sozialministerium von einem bekannten Fall spricht, haben die RedakteurInnen des
Bayerischen Rundfunks aufgezeigt, [ Siehe Video @ https://www.br.de/mediathek/video/br-recherche-heimkinder-fuer-medikamententests-missbraucht-av:5af19def7ff4600018413824 ] dass die damalige Nutzung von behinderten HeimbewohnerInnen alles andere als ein Einzelfall ist.
U.a. wurde in der Reportage die Geschichte des
Inklusionsbotschafters Martin Hackl aufgezeigt [ Siehe @ http://www.isl-ev.de/index.php/aktuelles/projekte/inklusionsbotschafterinnen/die-inklusionsbotschafterinnen/1999-martin-hackl ], der in den 70er Jahren als Kind massiven Medikamentenversuchen ausgesetzt war und erhebliche Schäden davon getragen hat.

„Im mittelfränkischen Hilpoltstein wurde ein zehnjähriges Heimkind im Jahr 1975 zum medizinischen Versuchsobjekt – ohne sein Einverständnis. Das geht aus Dokumenten hervor, die BR Recherche vorliegen. Demnach musste der Junge damals ein Präparat schlucken, das noch nicht auf dem Markt war. Im Rahmen einer Arzneimittelprüfung. Heute ist Martin Hackl Mitte 50, schwer lungenkrank und kann sich kaum bewegen. Erst vor anderthalb Jahren ist er durch Zufall auf die Dokumente in seiner Heimakte gestoßen. Dem BR sagte er, er fühle sich betrogen und wolle mehr über das Ausmaß des Tests erfahren“, heißt es auf der Internetseite des Fernsehmagazins Kontrovers.


Die Sendung

[ Video-Zugang hier ]


BR24 [ = https://twitter.com/BR24 ]

Pharmafirmen haben bis in die 1979er Jahre an
#Heimkindern Medikamente getestet. Ohne Einverständnis. Offiziell ist in Bayern nur ein Fall bekannt. Nachforschungen von @hawrankowa & @piarennt für BR_Recherche zeigen: Es gibt Hinweise auf mehr. #Medikamententests, #Tabelettenkinder
14:54 9. Mai 2018
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[ #Heimkinder = https://twitter.com/hashtag/Heimkinder?src=hash

@hawrankowa = https://twitter.com/hawrankowa

@piarennt = https://twitter.com/piarennt

BR_Recherch = https://twitter.com/BR_Recherche

#Medikamententests = https://twitter.com/hashtag/Medikamententests?src=hash

#Tabelettenkinder = https://twitter.com/hashtag/Tablettenkinder?src=hash ]


„Als Kind galt Martin Hackl als ‚umtriebig‘ und ‚schwachsinnig‘. Damals konnte er laufen und sprechen. Aus den Unterlagen geht auch hervor: Der sechswöchige Test verändert das Wesen des Jungen, irgendwann wehrt er sich dagegen, die Tabletten zu nehmen. Eine Einverständniserklärung liegt seiner Akte nicht bei. Ein Auszug aus den Aufzeichnungen des Heimarztes vom Februar 1975: ‚Von Martin wird berichtet, er bekomme laufend Wutanfälle, einen nach dem anderen, er lasse sich nicht anfassen, schreie und höre gar nicht mehr auf damit. Alles was man bisher mit ihm habe machen können sei unmöglich.‘“

Das Präparat wurde dem Bericht zufolge ein Jahr nach dem Test, ab 1976, als Antidepressivum unter dem Namen Alival verkauft. Zehn Jahre später musste es die Pharmafirma Hoechst vom Markt nehmen – wegen Todesfällen und gravierender Nebenwirkungen an Leber, Niere und Lunge.


Link zum Fernsehbericht und zu den Recherchen des Magazins Kontrovers des Bayerischen Rundfunks [ Siehe @ https://www.br.de/nachrichten/wie-heimkinder-zu-versuchsobjekten-wurden-100.html ]

Neben dem Fernsehbericht wurde auch in Bayern 2 eine dreiteilige Podcast-Reihe ausgestrahlt, die über die Mediathek verfügbar ist.

„Aufgedeckt – der investigative Podcast“ lautet der Titel mit folgender Ankündigung: „Gewalt, Missbrauch, Zwang: Viele Heimkinder mussten das in den Nachkriegsjahrzehnten erleiden. Allmählich kommt ans Licht, dass Heimkinder bis in die 70er-Jahre zudem Opfer von Medizinversuchen wurden. Und erst jetzt, auch durch BR-Recherchen, beginnt in Bayern die Aufklärung.“

Den Bayern 2-Podcast zum Thema gibt es unter:
https://www.br.de/mediathek/podcast/aufgedeckt-der-investigative-podcast/653

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Zuletzt geändert von Ehemaliges Heimkind am 20.05.2018 01:35, insgesamt 2-mal geändert.
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