Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

Alles rung um die Themen Heim- und Jugendarbeit

Moderator: Team

Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 18.08.2018 14:36

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QUELLE DIESES ARTIKELS: https://www.idea.de/frei-kirchen/detail/korntal-heimkinder-wurden-jahrelang-zur-arbeit-gezwungen-106263.html :

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Evangelische Brüdergemeinde

16. August 2018

Korntal: Heimkinder wurden jahrelang zur Arbeit gezwungen

[ FOTO / SCREENSHOT: „In dem Beitrag von „Report Mainz“ schildern ehemalige Heimkinder ihre Erfahrungen. Screenshot SWR“ ]

Korntal (idea) – In Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal hat es in den 1950er bis 1980er Jahren nicht nur sexuellen Missbrauch und Gewalt gegen Kinder gegeben, sie mussten auch systematisch „Zwangsarbeit“ leisten. Das berichtete das ARD-MagazinReport Mainz[ am Dienstag, 14. August 2018 ] In dem Beitrag schildern ehemalige Heimkinder ihre Erfahrungen. Detlev Zander, der die Missbrauchsvorwürfe 2014 öffentlich gemacht hatte, berichtete, dass er ab seinem sechsten Lebensjahr zehn Jahre lang für die Brüdergemeinde arbeiten musste, etwa in der Landwirtschaft und im Hausbau. Ein weiterer Betroffener, Thomas Mockler, musste nach eigenen Angaben neun Jahre Zwangsarbeit leisten. So habe er Fenster, Türen und Wände aus Häusern herausreißen müssen: „Ein großer Teil meiner Kindheit ist hier in diesen Baustellen draufgegangen.“ Heimkinder hätten den ganzen Tag Arbeiten verrichten müssen, dieeigentlich ein erwachsener Mann machen sollte und kein Kind“.

Aufklärer: Es gab ein Ausbeutungssystem

Der Marburger Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger, der an der Aufklärung der Vorfälle beteiligt war, sprach in dem Beitrag von einemAusbeutungssystem“. Wenn die Kinderihre Arbeit nicht ordentlich gemacht haben oder nicht so schnell, nicht so systematisch, wie das erwartet wurde, sind sie auch bestraft worden“. Hafeneger hatte im Juni zusammen mit der ehemaligen Amtsrichterin Brigitte Baums-Stammberger (Birresborn/Eifel) einen über 400-seitigen Aufklärungsbericht vorgelegt. Dazu wurden 105 ehemalige Heimkinder interviewt. 93 erklärten, dass sie körperliche Gewalt erleiden mussten, und 61 gaben an, sexuell missbraucht worden zu sein. Die Opfer haben von der Diakonie der Brüdergemeinde „finanzielle Anerkennungsleistungen“ von in der Regel zwischen 5.000 und 20.000 Euro erhalten. Laut dem „Report“-Beitrag empfinden die Betroffenen die bisher gezahlten Summenals Hohn“. Sie wollten für einegerechte Entschädigung für die Zwangsarbeitweiter kämpfen. Die Psychotraumatologin Brigitte Bosse (Mainz), die mit betroffenen Heimkindern gesprochen hatte, sagte in dem Beitrag: „In dem Aufarbeitungsprozess sind nach meiner Wahrnehmung die Fragen der Ausbeutung nicht vorgekommen.“ Auf die Frage, ob die Höhe der bisher gezahlten Leistungen angemessen seien, antwortete sie: „Wie kann Geld jemals das Leid aufwiegen?“. Wenn man sich aber an Tabellen im Schmerzensgeldrecht orientiere, dann seien die Zahlungensehr niedrig“.

Vorsteher: „Wir bitten um Vergebung für alle Verletzungen“

Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea äußerte der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, Klaus Andersen: „Wir sind erschrocken über das Ausmaß von Missbrauch und Zwang, auch im Bereich der Arbeit.“ Der umfassende Aufarbeitungsprozess habe gerade auch den Aspekt des Arbeitszwangs deutlich gemacht. „Dass Arbeit in dieser Zeit erzieherisch häufig mit Zwang und Strafe verbunden war, verurteilen wir scharf und bedauern zutiefst, dass dies geschehen konnte.“ Der Brüdergemeinde sei bewusst, dass ihre finanziellen Anerkennungsleistungen das Geschehene nicht wiedergutmachen könnten. Andersen: „Die Erlebnisse in unseren Heimen werden immer ein Teil der Lebensgeschichte der Betroffenen sein. Wir erkennen ihr Leid und ihren Schmerz an und bitten um Vergebung für alle Verletzungen.“ Es gebe jedoch keine Überlegungen, die Anerkennungsleistungen aufzustocken. Die 1819 gegründete Brüdergemeinde ist eine mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vertraglich verbundene selbstständige Personalgemeinde. Zu ihr gehören diakonische Einrichtungen, darunter Kindergärten, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sowie ein Altenzentrum.
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Zuletzt geändert von Ehemaliges Heimkind am 22.10.2018 02:46, insgesamt 1-mal geändert.
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DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 09.09.2018 10:40

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Kürzlich hat mich ein weiterer ex-Freistätter, Thomas R., aus dem Ruhrpot in Deutschland kontaktiert und mich über folgende interessante damalige Sachlage bezüglich "FREISTATT" – d.h., über die damalige "ZWEIGANSTALT" der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel: "FREISTATT IM WIETINGSMOOR" – informiert, die ich unbedingt mit allen hier Mitlesenden teilen möchte, und teilen darf:

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Ich war in den 1960er Jahren (Sept. 64 bis Juni 66) selbst in Freistatt / Heimstatt.
Es gab dort neben der gewerblichen Landwirtschaft auf dem Feld auch einen Schweizer Betrieb [ = "FREISTÄTTER KUHSTALL" ] mit bis zu 45 Kühen.

Zuerst mußte ich auf dem Feld Kartoffeln und Rüben ernten. Dabei durften wir uns den ganzen Tag nur bücken, aber nie hinknien. Der Langsamste – und einer war zwangsläufig immer der Langsamste – erhielt abends eine Strafe.
Zeit meines Lebens habe ich von dieser Arbeit Rückenprobleme zurückbehalten.

Zwischendurch mußte ich auch zur Strafe Torf stechen, zum Glück nur für kurze Zeit.

Danach, anscheinend hatte ich mich angepasst verhalten, arbeitete ich im Kuhstall.
Dieser Betrieb wurde von einer älteren Person geführt (ich vermute er war angestellt) und für die körperliche Arbeit (melken per Hand, ausmisten per Hand einschließlich der schweren Schubkarren schieben, usw.) wurden immer zwei Fürsorgezöglinge abgestellt.
Ich war während ca. eines vollen Jahres einer dieser zwei Zöglinge und
ich war zu dem Zeitpunkt etwas über 15 Jahre alt, also körperlich noch nicht ausgewachsen.
Die Kühe mußten alle mit der Hand gemolken werden, eine Melkmaschine gab es nicht.
Und ich erinnere mich dass ich während der ersten 3-4 Wochen keinen Knopf mehr zumachen konnte, deshalb konnte ich während der Zeit lediglich T-Shirts tragen.

Aber es gab für mich und dem zweiten Zögling drei große Vorteile:
1. Wir durften offiziell Rauchen, sowohl beim arbeiten als auch in der Gruppe!
2. Dafür erhielten wir jeder von uns beiden
pro Woche 1 Päckchen Tabak umsonst [ d.h. wurde uns also nicht auf unseren aus Pfennigen bestehenden Monatslohn (gutgeschriebenes Taschengeld) verrechnet ].
3. Wir hatten etwas mehr Freiheit als alle anderen.

Zu dem Zeitpunkt war das Rauchen gesetzlich zwar erst ab 16 Jahren erlaubt, aber das Jugendamt wußte es und billigte es! Dank dessen kam ich nie mehr vom Rauchen los.

Wir mußten nachts um 3 Uhr aufstehen und bis morgens 8 Uhr die Kühe melken; vormittags hatten wir frei und nachmittags ab 13 Uhr bis ca. 18 Uhr ging es wieder zur Arbeit.

Anscheinend ist dieser Schweizer Betrieb [ = "FREISTÄTTER KUHSTALL" ] in den von mir bisher gesichteten Bethel-Broschüren nicht besonders erwähnt. Ich habe jedenfalls nichts dazu finden können.

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Daraufhin gestaltete ich dann auch selbst noch einmal eine Suche, konnte aber im Internet nur folgende zwei diesbezügliche alte FREISTATT-Ansichtskarten finden:

https://oldthing.de/AK-Freistatt-Blick-von-einer-Strasse-auf-landwirtschaftliche-Betriebe-Kuehe-und-Schweine-0025967780

https://oldthing.de/AK-Freistatt-Schweineherde-auf-einer-Weide-0027687473

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Entschuldigung geht Hand in Hand mit Entschädigung!

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 25.10.2018 06:21

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Entschädigung geht Hand in Hand mit Entschuldigung!


Deutschlandfunk

QUELLE: https://www.deutschlandfunk.de/australien-entschuldigung-fuer-institutionellen.799.de.html?dram:article_id=431092

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20.10.2018

Australien

Entschuldigung für institutionellen Kindesmissbrauch

Die australische Regierung will ein Zeichen setzen: Premier Scott Morrison wird die Opfer von sexuellem Missbrauch in privaten, staatlichen und kirchlichen Einrichtungen offiziell um Entschuldigung bitten. Eine Untersuchungskommission hatte hier amtliches Versagen über Jahrzehnte festgestellt.
[ * Eigentlich ist Scott Morrison der jetzige amtierende "Primierminister" der australischen Regierung (eine Bundesregierung) ]

Von Andreas Stummer

[ FOTO: Australiens Premierminister Scott Morrison (AFP / Mark Graham) ]

Dezember 2017: Fünf Jahre lang hatte eine richterliche Kommission den sexuellen Missbrauch von Kindern in privaten, staatlichen und kirchlichen Institutionen in Australien untersucht. Ihr Abschlussbericht war ernüchternd. Amtliches Versagen über Jahrzehnte, Täter- statt Opferschutz, Behörden, die sich weigerten, Missbrauch zu untersuchen. Die Kirchen, die Polizei, Wohlfahrtsverbände oder Sportvereine: keine Einrichtung blieb verschont.

Aimee Foster wurde als Kind bei den Pfadfindern wiederholt von einem älteren Gruppenleiter vergewaltigt. Erlebnisse, die sie 24 Jahre lang verdrängt hatte. Doch den Mut zu finden, vor der Kommission auszusagen, meint Aimee, habe ihr Würde und Selbstwertgefühl zurückgegeben:

„Ich dachte, was ich durchgemacht habe, würde niemanden interessieren. Es mir von der Seele zu reden, war das Beste, das ich tun konnte. Alle Scham und die Last der Erinnerung sind verschwunden – auch die Vorwürfe, die man sich ein Leben lang macht und die Schuld, die man bei sich selbst sucht.“


Ex-Premier Gillard: „Kindern wird jetzt mehr Glauben geschenkt“
[ * Auch Julia Gillard war derzeit amtierende "Primierministerin" der australieschen Regierung (eine Bundesregierung) ]

Es war Julia Gillard, die 2013 als damals amtierende Premierministerin die Untersuchung auf den Weg brachte. Die Kommission stellte furchtlos die richtigen Fragen, 1.200 Opfer gaben offen, ehrlich und couragiert Antwort. Die Öffentlichkeit und die Medien reagierten nicht mit Spott oder Zweifel gegenüber den Missbrauchten – sie zeigten Anteilnahme und Respekt. Ein Grund mehr, warum Julia Gillard hofft, dass es mit dem Verleugnen, Vertuschen und Verharmlosen von sexuellem Missbrauch an Kindern in Australiens Institutionen vorbei ist:

„Ich denke, Kindern wird jetzt mehr Glauben geschenkt, wenn sie von Missbrauch erzählen. Und die betroffenen Einrichtungen werden sie ernst nehmen müssen. Das Ziel ist, dass Beschwerden sofort gehört und auch verfolgt werden.“

Der Bericht der Kommission enthielt auch gut 200 Empfehlungen, um Fälle institutionellen Kindesmissbrauchs künftig zu verhindern. Darunter Forderungen an die katholische Kirche, das Zölibat abzuschaffen und das Beichtgeheimis aufzuheben – beides wurde vom Klerus abgelehnt. Die Regierung hat der Einrichtung einer landesweiten Kinderschutzbehörde zugestimmt, einer Hotline, um Missbrauchsfälle zu melden. Und Schadenersatzzahlungen: Missbrauchsopfer haben danach künftigAnspruch auf höchstens 90.000 Euro pro Person.
Zahlen müssen die Einrichtungen, in deren Obhut die Übergriffe auf Kinder stattfanden. Institutionen, die den Opfern öffentlich bisher nur ihr Bedauern ausgesprochen haben.

[ FOTO: Die ehemalige australische Premierministerin Julia Gillard (picture alliance/ empics) ]


Entschuldigung dafür, dass die Behörden untätig blieben

Nachdem sie den jahrzehntelangen Missbrauch publik gemacht hat, will die australische Regierung jetzt ein Zeichen setzen. Premierminister Scott Morrison wird sich im Namen des Parlaments bei den überlebenden Opfern entschuldigen. Für das, was ihnen als Kinder angetan wurde und dafür, dass ihnen die Behörden oft nicht glaubten und untätig blieben. Fehler, die verschärfte Gesetze und Vorschriften beseitigen sollen. Vergewaltigungsopfer Rob Walsh ist bereit zuzuhören:

„Wenn dieser Entschuldigung auch Taten folgen dann werde ich sie auch akzeptieren. Ich werde mir frei nehmen und in Canberra mit dabei sein.“

Zehntausende Kinder, die über Jahrzehnte in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht wurden – genaue Zahlen wird es nie geben. Die Regierung rechnet mit etwa 60.000 Schadenersatzforderungen.


„Kein Geld wird uns jemals entschädigen“

Graham Rundle aber soll leer ausgehen. Als Kind seelisch und körperlich misshandelt, geriet er mit 19 auf die schiefe Bahn. Rundle Grahamwurde straffällig, selbst zum Missbraucher. Wer als früheres Opfer später zum Täter wird, hat kein Recht auf Entschädigung. „Wir werden ein zweites Mal bestraft“, sagt Graham Rundle, „ein Scheck oder eine Entschuldigung ändern gar nichts. Wir alle sind zu lebenslänglich verurteilt. Die Wahrheit ist, dass wir den Missbrauch weder vergessen noch verarbeiten. Auch wenn wir längst Erwachsene sind, kommen die Erinnerungen daran immer wieder zurück. Wir alle durften nie Kinder sein – dieses Recht wurde uns genommen. Keine noch so große Menge Geld wird uns jemals dafür entschädigen können.“
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Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 27.10.2018 08:07

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Entschädigung geht Hand in Hand mit Entschuldigung!

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Nach langjähriger Untersuchung

Australien entschuldigt sich bei Opfern sexuellen Missbrauchs

Australiens Premierminister hat im Parlament über den jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch von Kindern in Institutionen wie der katholischen Kirche gesprochen: "Das wird für immer eine Schande für uns sein."
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QUELLE: Überschrift und Einleitung im SPIEGEL ONLINE - PANORAMA (Montag, 22.10.2018, 04:08 Uhr) @ http://www.spiegel.de/panorama/justiz/australien-scott-morrison-entschuldigt-sich-bei-opfern-sexuellen-missbrauchs-a-1234381.html


Diesbezügliche detaillierte Berichterstattung zum Thema in: ZEIT ONLINE :

[ QUELLE: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/kindesmissbrauch-australien-scott-morrison-entschuldigung-katholische-kirche-opfer ] :

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Kindesmissbrauch

Australische Regierung entschuldigt sich bei Missbrauchsopfern

Die Nation habe jahrzehntelang versagt: Australiens Premierminister Scott Morrison findet in einer emotionalen Parlamentsrede deutliche Worte. Vielen reicht das nicht.

[ Im Original befindet sich keine sonstige sichtbare namentliche Angabe zum Autor oder Übersetzer dieser Berichterstattung, falls es vom Englichen ins Deutsche übersetzt wurde. ]

22. Oktober 2018, 11:56 Uhr / Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, kat /
147 Kommentare [ ständig zunehmend ]

[ FOTO: Eine Überlebende von Kindesmissbrauch nach der öffentlichen Entschuldigung von Premierminister Scott Morrison © Sean Davey/AFP/Getty Images ]


Australiens Premierminister Scott Morrison [ Siehe @ https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-08/australiens-regierungschef-malcolm-turnbull-tritt-zurueck ] hat sich im Namen der Regierung bei den vielen Tausend Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch in australischen Institutionen entschuldigt [ Siehe Index weiterer Artikel zum Thema @ https://www.zeit.de/thema/kindesmissbrauch ]. Das Land müsse die "verlorenen Schreie unserer Kinder" anerkennen und um Verzeihung bitten, sagte er in einer emotionalen Ansprache vor dem australischen Parlament, in dem sich zahlreiche Missbrauchsopfer und deren Familien eingefunden hatten.

"Heute steht Australien vor einem Trauma, einer Abscheulichkeit, die zu lange trotz ihrer Augenscheinlichkeit übersehen wurde", sagte der Regierungschef. [ Siehe Index verschiedener weiterer Artikel @
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/kindesmissbrauch-australien-scott-morrison-entschuldigung-katholische-kirche-opfer : ] Australien habe lange "nicht zugehört, nicht geglaubt und keine Gerechtigkeit geboten". Die Nation habe über Jahrzehnte hinweg dabei "versagt", Kinder in kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen vor "bösen dunklen Verbrechen" zu beschützen, sagte Morrison. "Das wird für immer eine Schande für uns sein."

Der Missbrauch sei von "Australiern an Australiern" begangen worden, von "Feinden aus unserer Mitte", sagte der Premierminister mit bebender Stimme. "Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt" habe es in Schulen, Kirchen, Jugendgruppen, Sportvereinen und Kinderheimen Missbrauch gegeben. Deshalb entschuldige sich seine Regierung nun sowohl bei den Kindern und ihren Eltern, "deren Vertrauen missbraucht wurde", und auch den Hinweisgebern, auf die nicht gehört worden sei, sagte der Premierminister. Ihm versagte teilweise die Stimme, als er an die Ausbeutung, Vertuschungen und das staatliche Versagen erinnerte. Das neue nationale Credo sei: "Wir glauben euch", beteuerte er und kündigte die Einrichtung eines Museums an, in dem das Bewusstsein über sexuellen Missbrauch von Kindern gestärkt werden soll.

Morrisons Rede wurde live im Fernsehen übertragen und von Hunderten noch lebenden Missbrauchsopfern im ganzen Land und auch im Parlament selbst verfolgt. Die Abgeordneten erhoben sich nach der Ansprache zu einer Schweigeminute. Als Zeichen des Respekts wurde die reguläre Parlamentssitzung verschoben. Vor dem Parlament versammelten sich Angehörige von bereits verstorbenen Opfern. Sie trugen Schilder mit den Namen ihrer Töchter, Söhne, Brüder und Schwestern, für die die Entschuldigung zu spät kam. Morrison sagte nach einem Treffen mit Opfern: "Ich habe noch niemals solch einen Schmerz in einem Raum gespürt."

Mehr als fünf Jahre lang hatte eine Kommission, die sogenannte
Royal Commission [ Siehe @ https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-12/missbrauch-katholizismus-kommission-abschlussbericht-handlungsempfehlungen ], den Missbrauch und seine Vertuschung untersucht und dabei Aussagen von mehr als 15.000 Opfern dokumentiert. In ihrem Abschlussbericht vom Dezember 2017 sprach sie von einer "nationalen Tragödie". Demnach wurden Zehntausende Kinder, zumeist Jungen, in mindestens 4.000 Institutionen wie Schulen, Kirchen, Heimen und Internaten sexuell missbraucht, viele von ihnen in Einrichtungen der katholischen Kirche [ Siehe und vergleiche @ https://www.zeit.de/2018/38/sexueller-missbrauch-bischoefe-kirche-studie (STUDIE was Deutschland betrifft) ]. Der [australischen] Kommission zufolge sollen sieben Prozent der katholischen Priester zwischen 1950 und 2010 Kinder missbraucht haben. In einigen Diözesen lag der Anteil von Priestern unter Pädophilieverdacht bei 15 Prozent oder höher.

Der Missbrauch wurde von der Kirche jahrelang totgeschwiegen. Inzwischen aber laufen Verfahren gegen ranghohe Kirchenvertreter. Zudem entschuldigte sich die Kirchenführung und gelobte, dass sich die "schändliche" Geschichte des Kindesmissbrauchs nicht wiederholen dürfe. Sie lehnte jedoch die im Untersuchungsbericht geforderte Lockerung des Beichtgeheimnisses ab.

Viele der Missbrauchsopfer begrüßten die öffentliche Entschuldigung des Premierministers. "Für Leute wie uns ist es wichtig, dass man uns glaubt", sagte etwa Richard Jabara der australischen Nachrichtenagentur AAP. "Wir waren über einen langen Zeitraum allein damit." Andere hingegen zeigten sich wütend und enttäuscht. Die Kirche komme ungestraft davon, sagte etwa Rick Venero. "Die Macht dieser Institutionen bedeutet, dass nichts wirklich passiert." Einige Opfer bemängelten, dass die öffentlichen Mittel für betroffene Institutionen nicht gekürzt würden und weitreichende Gesetzesänderungen ausblieben. Andere forderten die Regierung dazu auf, die Schuldigen zu bestrafen und auch andere Institutionen wie die Armee zu durchleuchten.

Schlagwörter:
Australien, Kindesmissbrauch, Katholische Kirche

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 11.11.2018 06:43

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VEREIN EHEMALIGER HEIMKINDER E.V.
Aktuelle Informationen und Nachrichten

[ QUELLE: Vereinswebseite des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V. (VEH e.V.) @ http://www.veh-ev.eu/home/vehevinf/public_html/?p=2156&fbclid=IwAR2s6lXdiIlqmJ7u0bPiPxWyDtsaEP0P0vnv8LpOD5Rrw1MCi_wnPYK0IKE ] :

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Veröffentlicht am 9. November 2018

Arzneimittel- und Menschenversuche an Heimkindern

Endlich Transparenz und Entschädigungen!

Öffentliches Fachgespräch,

14. Dezember 2018, 11:30 - 16:00 Uhr,

Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, Raum E.300

Der Einsatz von Medikamenten in den 1950 bis -70er Jahren in der Heimerziehung sowie Arzeimittelstudien in Heimen sind bislang nur wenig thematisiert worden.

Erst durch die 2016 von der Pharmazeutin Sylvia Wagner veröffentlichte Studie „Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte. Arzeimittelstudien an Heimkindern“ wurde bekannt, dass mindestens 50 Arzneimittelstudien an HeimbewohnerInnen durchgeführt wurden, zum Teil im Auftrag oder mit Wissen von Behörden.

Dabei wurden neben Impfstoffen und Psychopharmaka auch Medikamente zur Senkung der Libido getestet. Zusammen mit den eingeladenen Expert*innen und allen Teilnehmenden wollen wir das Thema stärker an die Öffentlichkeit bringen sowie weitere parlamentarische und außerparlamentarische Initiativen ausloten. Vor allem geht es darum, über das Ausmaß und die Folgen dieser Versuche Transparenz zu schaffen und die Möglichkeit zusätzlicher Entschädigungen für die Betroffenen und deren Hinterbliebener zu erörtern. Da Bundesbehörden in die grauenvollen Arzneimitteltests an Heimkindern ebenfalls verstrickt waren, sind Aufarbeitung und Entschädigung auch eine bundespolitische Aufgabe.

Mit

Susanne Ferschl, MdB, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Leiterin des Arbeitskreises Gesundheit, Arbeit und Soziales

Sylvia Gabelmann, MdB, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte

Norbert Müller, MdB, Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik

Friedrich Straetmanns, MdB, Sprecher für Rechtspolitik

Prof. Dr. jur. Jan Bruckermann, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der FOM-Hochschule in Köln

Heidi Dettinger, 1. Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.

Prof. Dr. Jürgen Eilert, Professur für Theorien der Sozialen Arbeit an der CVJM-Hochschule Kassel, Autor »Psychologie der Menschenrechte – Menschenrechtsverletzungen in deutschen Heimsystem 1945 bis 1973«

Sylvia Wagner, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Pharmazeutin und Autorin der Untersuchung zu Arzneimittelstudien an Heimkindern

Dr. Burkhard Wiebel, Neurowissenschaftler, Forschung zu Heimkindern in der Psychiatrie; Mitglied der Beschwerdekommission des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) Moderation

Moderation: Doris Petras, Sprecherin für den VEH e. V. und Fraktionsgeschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE. im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)


Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen des Bundestages ist eine Anmeldung, sowie das Mitführen eines gültigen Personaldokuments mit Lichtbild unbedingt erforderlich. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

https://www.linksfraktion.de/termine/detail/arzneimittel-und-menschenversuche-an-heimkindern-endlich-transparenz-und-entschaedigungen/

Beschlagwortet mit: Arzneimittel, Arzneimittelversuche, Medikamente, Medikamentenmissbrauch, Medikamententest, Medizinische Versuche
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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 05.12.2018 21:19

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Schleswig-Holstein. - Sozialminister (FDP): Heiner Garg (seit 28. Juni 2017): WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/Ministerium_f%C3%BCr_Soziales,_Gesundheit,_Jugend,_Familie_und_Senioren_des_Landes_Schleswig-Holstein (Stand: 2. November 2018, 09:40 Uhr)


Dieser und der unmittelbar nächstfolgende Beitrag hier in diesem Thread gehören zusammen.

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[ QUELLE: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamentenversuche-Betroffene-kommen-zu-Wort,heimkinder218.html ] :

Stand: 28.11.2018 12:28 Uhr - Lesezeit: ca. 4 Min.

Medikamentenversuche: Betroffene kommen zu Wort

Von Julia Schumacher

[ FOTO: „Franz Wagle, ebenfalls ein Opfer der Versuche, sprach am Mittwoch als erster Betroffener im Plenarsaal.“ ]

Schläge, Missbrauch, Pillen und Spritzen unter Zwang und tagelange Dämmerzustände: Als kleiner Junge hat Günter Wulf aus Sieverstedt das alles erlebt, in der Kinderpsychiatrie des ehemaligen Landeskrankenhauses Schleswig-Hesterberg. Seine Erinnerungen, besonders daran, dass er die Medikamente nicht nehmen wollte, aber gezwungen wurde, decken sich mit dem, was der NDR Schleswig-Holstein in einer langen Recherche aufgedeckt hat: Ärzte im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig haben in den Jahrzehnten nach dem Krieg Psychopharmaka an Kindern getestet - bis in die späten 70er-Jahre, in einer Einrichtung des Landes Schleswig-Holstein. Der Wunsch der Opfer: Gehör im Landtag finden. Genau das war ihnen nun möglich.


"Ich glaube, dieses Land schreibt damit Geschichte"

Den Wunsch, dass ihr Leid anerkannt wird, hatten Günter und andere Opfer schon länger. Jahrelang wollte ihnen niemand glauben. Lange sei er, so Günter, als Spinner abgetan worden, wenn er über das sprach, was ihm als Kind in Obhut des Landes angetan wurde. Erst durch erste wissenschaftliche Untersuchungen und die NDR Recherchen erfuhren die Opfer endlich die langersehnte Öffentlichkeit.

Den Wunsch, seine Geschichte im schleswig-holsteinischen Landtag erzählen zu dürfen, hatte Günter vor einem Jahr in "Zur Sache" bei NDR 1 Welle Nord geäußert. Auch Sozialminister Heiner Garg (FDP) war als Gesprächspartner da. Und an ihn richtete sich Günter mit seinem Anliegen: "Ich möchte gerne einen Vortrag halten und zwar im Landtag. Und da sind dann alle Politiker da, die sich das aus direktem Munde anhören, von mir. Ich glaube, dieses Land schreibt damit Geschichte." Noch in der Sendung sagte Garg ihm zu, sich für diesen Wunsch einzusetzen.


Ehemalige Heimkinder berichten von ihrem Leid

Entsprechend standen am Mittwoch im Plenarsaal im Kieler Landtag keine Abgeordneten am Rednerpult, sondern sechs ehemalige Heimkinder. Bei einem Symposium mit dem Titel "Die Vergangenheit im Kopf - die Zukunft in der Hand" berichteten sie vor 160 Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kirchen, welches Leid ihnen widerfahren ist. Als erster sprach Franz Wagle im Plenarsaal. Er berichtete von seiner Zeit als Kind in Psychiatrien und Heimen, von Schlägen mit der Faust ins Gesicht und davon, behandelt worden zu sein, als sei er nichts wert. Er prangerte besonders an, dass so viel Zeit vergehen musste, bis den Opfern geglaubt wurde. Günter Wulf soll als einziger Betroffener am zweiten Tag des Symposiums reden. Und als einziger hat er eineinhalb Stunden Zeit, seine Geschichte zu erzählen.

"Für mich ist das wichtig, dass ich mich endlich mal von dieser Geschichte befreien kann und das nicht weiter herunterschlucken muss," sagt Günter mit Blick auf seinen Vortrag. "Ich will, dass dieses Unrecht nicht weiter unter den Teppich des Vergessens gekehrt wird." Von den Politikern erwartet er, dass sie wirklich hinhören und sich mit den Geschichten der Betroffenen konfrontieren. "Was wir erlebt haben, darf nicht wieder in Vergessenheit geraten, denn sonst fängt das irgendwann wieder an." Menschen, die heute in Heimen sind, soll erspart bleiben, was ihm und den anderen damals passiert ist.


Welche Rolle haben die Kirchen?

Eckhard Kowalke, erster Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder in Schleswig-Holstein, hatte im Vorfeld angekündigt, er wolle darüber sprechen, dass bislang nicht einmal alle Opfer, denen in Heimen des Landes zwischen 1945 und 1975 Leid zugefügt wurde, eine Entschädigung bekommen. Und wer eine bekommt, müsse sich mit einem gedeckelten Betrag von 9.000 Euro zufrieden geben. "Der Öffentlichkeit wird vorgegaukelt, dass man sich kümmert und Wiedergutmachung leistet. Das Gegenteil ist der Fall", sagt er.

Kowalke kritisiert auch die Rolle der Kirchen: Diese beteiligten sich bislang nicht an einer Aufarbeitung der Medikamentenversuche in Einrichtungen in Schleswig-Holstein. Dass das Land inzwischen eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Medikamentenversuche auf den Weg gebracht habe reiche nicht aus.


Wissenschaftliche Aufarbeitung bis 2021

Medizinhistoriker Cornelius Borck ist derjenige, der die Medikamentenversuche in Psychiatrien und Heimen Schleswig-Holsteins zwischen 1945 und 1975 aufarbeiten wird. Im Mai bekam er den Zuschlag nach einer Ausschreibung der Landesregierung. Über den Stand seiner Forschung wird er im Landtag sprechen. Ergebnisse sollen bis 2021 vorliegen.

So lange müssen sich die Betroffenen gedulden. Doch für Günter Wulf ändert das nichts: Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass das Land Schleswig-Holstein im Landtag Geschichte schreiben wird.


WEITERE INFORMATIONEN

Wie Kinder zu Versuchsobjekten wurden

Patienten wurden im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig für Medikamententests zu Versuchsobjekten. NDR Recherchen zeigen Verbindungen zwischen Ärzten und Pharmakonzernen. MEHR [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Wie-Kinder-zu-Versuchsobjekten-wurden,medikamente326.html#page=0&anim=slide ]

WEITERE INFORMATIONEN

Unsere 30-minütige Dokumentation erzählt die Geschichte der systematischen Ausbeutung einer Gruppe besonders schutzbedürftiger Menschen. © NDR, honorarfrei

Medikamentenversuche: Aufarbeitung mit Hindernissen

25.09.2018 08:00 Uhr

Zwei Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe soll die wissenschaftliche Aufarbeitung der Medikamentenversuche an Heimkindern in Schleswig-Holstein beginnen. Andere Bundesländer sind schon weiter.
MEHR [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamentenversuche-Aufarbeitung-mit-Hindernissen,medikamentenversuche166.html ]

[ FOTO: „Sozialminister Dr. Heiner Garg“ ]


Zur Sache: Garg will Aufarbeitung der Pharmatests im Bund

Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg will erreichen, dass Medikamentenversuche bundesweit aufgearbeitet werden. Das sagte er in der Sendung "Zur Sache" (Stand: 12.11.2017). MEHR [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamententests-Garg-will-bundesweite-Aufarbeitung,medikamente338.html ]

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.11.2018 | 12:00 Uhr



SCHLESWIG-HOLSTEIN magazin

Opfer der Medikamentenversuche im Landtag

Schleswig-Holstein Magazin - 28.11.2018 19:30 Uhr

Jahrzehntelang wurden am Landeskrankenhaus Kinder und Jugendliche für Medikamentenversuche missbraucht, bis 1975. Sechs Betroffene sprechen vor 160 Gästen im Landtag über ihr Schicksal.


https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Schleswig-Holstein-Magazin,sendung841220.html


Medikamententests: Symposium im Landtag

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein - 28.11.2018 06:00 Uhr Autor/in: Julia Schumacher

Im Landeskrankenhaus Schleswig wurden in den 50er bis 70er Jahren in knapp 1.000 Fällen Kinder als Versuchsobjekte für Medikamententests missbraucht. Am Mittwoch sprechen sie im Landtag.

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#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)


HINWEIS: Dieser meinerseitige „nächstfolgende Beitrag“ folgt bald.
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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GESCHIEHT VIELFACH BEIDES NICHT.
Ehemaliges Heimkind
 
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Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 07.12.2018 03:48

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Schleswig-Holstein. - Sozialminister (FDP): Heiner Garg (seit 28. Juni 2017): WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/Ministerium_f%C3%BCr_Soziales,_Gesundheit,_Jugend,_Familie_und_Senioren_des_Landes_Schleswig-Holstein (Stand: 2. November 2018, 09:40 Uhr)


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[ QUELLE: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Fruehere-Heimkinder-schildern-im-Landtag-ihr-Leiden,heimkinder220.html ] :

Stand: 29.11.2018 21:28 Uhr - Lesezeit: ca. 6 Min.

Frühere Heimkinder schildern im Landtag ihr Leiden

Von Julia Schumacher

[ FOTO: „Günther Wulf aus Sieverstedt erzählt seine Geschichte im Landtag in Kiel.“ ]

Vor seinem großen Tag hat Günter Wulf schlecht geschlafen. "Meine Alpträume sind wieder da", sagt er. Eine Weile lang hatten sie ihn in Ruhe gelassen. Was ihn in seinen Träumen quält; Davon bekommen die 100 Zuhörer im Plenarsaal des schleswig-holsteinischen Landtags in den nächsten eineinhalb Stunden einen ziemlich deutlichen Eindruck. Denn dort erzählt er heute seine Lebens- und Leidensgeschichte: von seinen ersten 18 Lebensjahren in Heim und Psychiatrie - und was diese Jahre mit seinem ganzen Leben gemacht haben.

Für Günter Wulf, heute 59 Jahre alt, ist das die Erfüllung eines Wunsches und ein "innerer Ringkampf" zugleich. Die Erfüllung eines Wunsches, weil er genau diesen vor einem Jahr an Sozialminister Heiner Garg (FDP) richtete, als sich die beiden in der "Zur Sache"-Sendung von NDR 1 Welle Nord trafen - zum Thema Medikamentenversuche an Heimkindern, die der NDR Schleswig-Holstein in einer langen Recherche ans Licht brachte. Dieser Wunsch geht nun mit einem zweitägigen Symposium im Landtag in Erfüllung, dessen Höhepunkt Günters Vortrag ist.


"Warum behandelt man Kleinkinder wie Verbrecher?"

Ein innerer Ringkampf ist dieser Tag für Günter Wulf deshalb, weil er dabei alles noch einmal durchlebt: Wie er als dreijähriger Junge in ein Heim kommt, weil er als unruhig gilt. Sechs Jahre verbringt Günter Wulf in einer Einrichtung der Vorwerker-Diakonie in Lübeck: "Es ging immer nur um Unterdrückung und Anpassung. Und wer sich nicht unterordnet, der wird untergeordnet, ganz gleich womit." Und das sind Medikamente, die Zwangsjacke, kalte Duschen und das sogenannte Besinnungsstübchen, wo er isoliert und gefesselt wird. "Warum behandelt man Kleinkinder wie Verbrecher?" Doch die Zeit in Lübeck hat auch schöne Seiten: Günter Wulf erzählt im Plenarsaal davon, wie gern er damals singt, wie er die langen Spaziergänge und den Garten liebt und wie neugierig er als Kind ist.

Im Plenarsaal ist es ganz still

Nach einem Jahr in der Schule wird Günter Wulf ausgeschult: "Man wollte sich mit einem unruhigen Kind nicht mehr abgeben", erzählt er. Mit dem Etikett "bildungsunfähig" kommt er schließlich in eine geschlossene Anstalt der Kinderpsychiatrie des ehemaligen Landeskrankenhauses Schleswig-Hesterberg. "Damit begann ein Leben für mich, das ich nie für möglich gehalten hatte", sagt Günter Wulf, seine beiden Armen sind dabei fest auf das Rednerpult gestützt. Im Plenarsaal ist es inzwischen so still, dass man seinen Nebensitzer atmen hört. Günter Wulf muss mehrfach unterbrechen. Wie schwer ihm dieser Vortrag fällt, kann man ihm am ganzen Körper ansehen. "Doch das muss jetzt sein", sagt er, hält kurz inne und redet weiter.

Auf dem Hesterberg stecken ihn Betreuer als erstes in eine Zwangsjacke. Er bekommt andere Medikamente, jeden Tag, morgens und abends. Er kann seinen Speichelfluss nicht mehr kontrollieren, lallt nur noch und hat das Gefühl, ins Leere zu treten. In seiner Rede deutet er immer wieder die sexuelle Gewalt an, die ihm damals angetan wird, mit Sätzen wie: "Die erwachsenen Patienten wurden auf mich aufmerksam, da wurde es für mich sehr gefährlich" oder "Ich wurde sogar von einem Pfleger gefragt, ob es mir gefallen hat."


Aufnäher an der Kleidung: "Eigentum: Landeskrankenhaus"

Neben seinen Beschreibungen von brutaler Gewalt, psychischer Qual, Essensentzug und grausamer Bestrafungsmethoden wird besonders eines deutlich: Wie vollständig ausgeliefert Kinder wie Günter Wulf dem System Heim und Kinderpsychiatrie in den Jahrzehnten nach dem Krieg sind. Als er einmal während seines Putzdienstes nach einem kranken Kind sehen will, wird er vom Pflegepersonal mit den Worten: "Was hast du hier zu suchen" bewusstlos geschlagen, erzählt er mit fester Stimme. Er wacht in seinem Erbrochenen auf. Das Abendbrot ist bereits abgeräumt.

Günter Wulf will sich eine Scheibe Brot holen. Ein Pfleger erwischt ihn, zieht ihn am Ohr aus der Speisekammer und wirft ihn auf ein Bett. Dort muss er sich komplett ausziehen. Der Pfleger verprügelt ihn mit einem Pantoffel, bis ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Um dieser Gewalt zu entkommen, flieht er in der Nacht aus der Anstalt in Schleswig-Hesterberg. Weit kommt er nicht. Die Polizei bringt ihn am nächsten Morgen zurück. Die Aufnäher auf seiner Kleidung haben ihn verraten: "Eigentum: Landeskrankenhaus".


Drei Wochen Prügel

Er erzählt den Polizisten, verprügelt worden zu sein. Nach seiner Flucht wird seine Lage in der Klinik nur noch schlimmer: "Ich wurde rücklings nackt auf einen Holzstuhl festgebunden, wobei meine Beine an die Stuhlbeine und meine Arme an die Rückenlehne festgebunden wurden." Mit nassen Leinenwindeln, in die sie einen Doppelknoten machen, prügeln zwei Frauen auf ihn ein. "Jetzt sollte ich dafür büßen, dass ich es gewagt hatte, während ihrer Nachtschicht abzuhauen", schildert Günter Wulf das Szenario. Fast bis zur Bewusstlosigkeit prügeln sie auf ihn ein - von da an drei Wochen lang: "Sie wollten mir jeglichen Fluchtgedanken abgewöhnen."

Appell an alle Politiker

Am Ende seiner Schilderungen richtet Günter Wulf seinen Appell an alle Politiker und spricht besonders die an, die ihm im Plenarsaal des schleswig-holsteinischen Landtags 90 Minuten hoch konzentriert zugehört haben: "Haben Sie ein scharfes Auge auf alle Schutzbefohlenen, die Ihrer Obhut anvertraut wurden. Sie sollen sich der Verantwortung stets bewusst sein, die sie für diese übernommen haben." Er wünscht sich, dass es sich niemals wiederholen wird, was ihm und anderen widerfahren ist.

Als nächstes Rede im Bundestag?

In der anschließenden Diskussionsrunde fällt es den Abgeordneten sichtlich schwer, überhaupt Worte für das zu finden, was sie eben und auch am Tag zuvor von den Betroffenen erfahren haben. Auch Sozialminister Heiner Garg ringt in seiner Abschlussrede um Fassung: "Ich glaube, jetzt ist es allerhöchste Zeit, dass es Menschen gibt, die für sie Steine aus dem Weg räumen." Und Günter gibt er das Versprechen, sich für einen weiteren Wunsch einzusetzen: Diesen Vortag vor einem größeren Publikum halten zu können, nämlich in Berlin im Deutschen Bundestag. Denn was die ehemaligen Heimkinder an diesen beiden Tagen immer wieder betont haben: Wie wichtig es für sie war, dass man ihnen zugehört hat.


WEITERE INFORMATIONEN

[ FOTO: „Franz Wagle, ehemaliges Heimkind, auf dem Gelände des ehemaligen Landeskrankenhauses in Schleswig. © NDR Foto: Stefan Eilts“ ]

Medikamentenversuche: Betroffene kommen zu Wort

Im Landeskrankenhaus Schleswig wurden in den 50er- bis 70er-Jahren Kinder in mehr als 1.000 Fällen für Medikamententests missbraucht. Die Betroffenen haben jetzt im Landtag in Kiel gesprochen. MEHR [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamentenversuche-Betroffene-kommen-zu-Wort,heimkinder218.html ]

[ FOTO: „Sozialminister Dr. Heiner Garg. © Frank Peter Foto: Frank Peter “]

Pharmatests: Garg will Aufarbeitung im Bund

Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg will erreichen, dass Medikamentenversuche bundesweit aufgearbeitet werden. Das sagte er in der Sendung "Zur Sache". MEHR [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamententests-Garg-will-bundesweite-Aufarbeitung,medikamente338.html ]


WEITERE INFORMATIONEN

[ FOTO: „Blick in ein verlassenes Gebäude. © NDR“ - „Multimedia-Doku“ ]

Wie Kinder zu Versuchsobjekten wurden

12.11.2017 18:00 Uhr

Patienten wurden im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig für Medikamententests zu Versuchsobjekten. NDR Recherchen zeigen Verbindungen zwischen Ärzten und Pharmakonzernen.
MEHR [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Wie-Kinder-zu-Versuchsobjekten-wurden,medikamente326.html#page=0&anim=slide ]



Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.11.2018 | 19:30 Uhr


VIDEOS

Politiker im Landtag in Kiel

Medikamentenversuche: Wie geht es weiter?


SCHLESWIG-HOLSTEIN magazin - 29.11.2018 19:30 Uhr

Jahrzehntelang wurden am Landeskrankenhaus Schleswig Kinder und Jugendliche für Medikamentenversuche missbraucht. Betroffene sprachen nun im Landtag über ihr Schicksal. Welche Konsequenzen zieht die Politik? Video 03:03 Min.

[ FOTO: „Ein Gebäude des ehemaligen Landeskrankenhauses Schleswig-Stadtfeld“ - „Foto: Berit Ladewig“ - „Die Schleswiger Psychiatrie war bis 2005 in Landesbesitz.“ ]


https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Medikamentenversuche-Wie-geht-es-weiter,shmag58740.html

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Dieser und der unmittelbar vorhergehende Beitrag hier in diesem Thread gehören zusammen.


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Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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