Was muss ich mir alles gefallen lassen?

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Was muss ich mir alles gefallen lassen?

Beitragvon oduudodu » 30.11.2005 15:44

Hallo,
ich bin seit zehn Jahren in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung tätig. Seit zwei Jahren betreue ich einen jetzt 16 Jahre alten Jungen, der mich häufig in der übelsten Weise beschimpft (Mutterficke, Kinderschänder, Hurenlecker). Manchmal möchte ich einfach nur zuschlagen. Weder im Kollegium noch durch die Supervision haben wir Mittel gefunden diese massiven Angriffe zu stoppen. Der behandelnde Psychologe findet den Jungen anstrengend und bewundert meine Gleichmut, mit der ich dem Jungen begegne. Hat jemand eine Idee, was ich machen kann?
Gruß ODUUDODU
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Beitragvon claudia » 01.12.2005 12:48

hallo
mit aller pädagogik gescheitert. ich weiß nicht ob das geht, aber vllt. bräuchte der gute mal eine anzeige wegen beleidigung oder ähnliches..... :roll: ein paar sozialstunden dürften ihm doch ganz gut tun. schließlich muß er lernen, dass seine frechheiten konsequenzen haben. wäre nun so aus der ferne und weiter nicht informiert, meine meinung.
lieben gruß claudia

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pädagogenzeigefingerspitzengefühl.
dr. phil. manfred hinrich

der eine hat eine falsche rechtschreibung und der andere eine rechte falschschreibung.
georg christoph lichtenberg
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Beitragvon lea25 » 01.12.2005 18:23

Wir nehmen den Reiz von solchen Wörtern,indem wir sie entweder ignorieren oder sagen: "So einmal darfst du es noch sagen, aber dann ist gut."
Die Jugendlichen wollen damit häufig nur Aufmerksamkeit und wissen, daß sie etwas "verbotenes" sagen. Nimmt man ihnen dieses, so ist der Reiz weg und sie hören früher oder später mit diesen Beschimpfungen auf.
Wir fahren damit schon siet Jahren sehr gut.
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Beitragvon oduudodu » 01.12.2005 21:38

Hallo eon-claudia,
vielleicht klingt meine Beschreibung etwas sehr übertrieben, letztendlich ist es auch so, dass wir in der Einrichtung noch nicht an dem Punkt sind "mit aller Pädagogik gescheitert" zu sein. Trotzdem ist es eben so, dass alle Maßnahmen nur eine kurze Wirkung zeigen. Über die Möglichkeit einer Anzeige haben wir auch schon nachgedacht. Interessant wäre zu erfahren, ob schon mal jemand so verfahren ist, und ob die Justiz dann tatsächlich ernsthaft reagiert.
Dank also für deinen Rat.

Hallo lea25,
die Versuche nicht auf die Beleidigungen des Jugendlichen zu reagieren enden bei mir z.B. häufig da, wo es absolut persönlich wird (z.B. "Deine Mutter ist die größte Schlampe im Dorf, die fick ich kaputt"). Ich glaube eben nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss, nur weil man Pädagoge ist. In einem anderen, nicht durch Pädagogen gelenkten sozialen Raum, würden derartige Beleidungen doch zwangsläufig dazu führen, dass der Junge ständig verprügelt würde. Trotzdem auch dir Dank für deinen Betrag.

An alle anderen,
mich interessiert, wie in anderen Einrichtungen mit Jugendlichen verfahren wird, die so massiv die Grenzen der Persönlichkeit anderer verletzen. In den vergangenen zwei Jahren haben wir in der Einrichtung verstärkt Anfragen bekommen für Jugendliche mit derartigen Verhaltensproblemen. Mein Eindruck ist, dass sich dieser Trend massiv verstärkt. Ich würde mich über eine rege Diskussion in dieser Runde freuen. Gruß an alle ODUUDODU
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Beitragvon *Pordyanimal* » 01.12.2005 22:54

Ich arbeite in einer Ganztags-Betreuung einer Hauptschule, und auch da is die Umgangssprache nicht immer die beste ;)
Bei uns werden Betreuuer eigentlich eher verschont mit Beleidigungen und Beschimpfungen, aber ab und zu kommt es schon vor. Aber NOCH NIE so krass wie "Mutterficker" oder so... wenn es wirklich nur ein Ausrutscher aus Übermut war, dann muss derjenige einen Aufsatz schreiben, warum man Betreuer nicht beleidigt. Wenn es öfters vorkommt oder reine Provokation ist, gibt es Sozialstunden. Aber wie gesagt, das is bei uns ein eher geringes Problem...

Ignorieren halte ich persönlich für keine gute Idee. Denn wenn es so beleidigend wird wie in den Beispielen oben, dann kann man nicht einfach weghören... geht ja mal gar nicht... das Kind (bzw. der jugendliche) darf keinen unterschied zwischen Pädagogen und Normalos auf der Strasse machen - wenn der Pädagoge nichts gegen Beleidigungen tut, dann is das ja ein Freifahrtschein, dass man so mit jedem (auch auf der Strasse)reden kann. Und ich würd mir das als fremder auf der Strasse von dem nicht gefallen lassen, wenn der zu mir "Schlampe" oder was weiß ich was sagen würde...
Das mit dem Ignorieren is in meiner Gruppe extrem ungut, weil die mitschüler von unsren "bösen Zungen" ziemlich oft beleidigt, verarscht und gedisst werden - und da darf ich nicht einfach weghören, weil ich dafür verantwortlich bin, dass respektvoll miteinander umgegangen wird. Derartige beschimpfungen muss sich weder ein kind, noch ein Erzieher, noch irgendwer anders gefallen lassen.
Aber wie man dem direkt entgegenwirken kann, da kann ich leider nicht weiterhelfen, sorry!
Dass sich dieser Trend verstärkt, dem würde ich zustimmen! Bei uns ist es ja, wie gesagt, nicht soooo drastisch, aber trotzdem sind Ausdrücke und Beschimpfungen bei Jugendlichen echt schon Standartvokabular und für betreuer wird es meiner meinung nach zunehmend schwieriger, das zu verhindern ... leider!
~* be yourself, no matter what they say *^^
*Pordyanimal*
 
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Beitragvon Björn » 02.12.2005 19:33

Hi oduudodu,

ich arbeite ebenfalls in der Kinder- und Jugendhilfe, bin aber bisher nicht mit Jugendlichen so zusammengrumpelt.

Wenn ich deine Schilderungen lese,staune ich darüber wie viel Du Dir gefallen lässt. Und ich denke genau dass ist auch der Grund warum der Jugendliche nicht damit aufhört.
Er kann es an dir Auslassen da Du scheinbar die Konsequenzen sehr weit ausdehnst oder entfernst.
Vielleicht will er Dich auch nur dazu bringen ihn selbst einmal so zu beschimpfen. Dass ist sehr unterschiedlich und letztendlich musst Du als Erzieher vor Ort entsheiden was der Grund für diese Verhalten ist.
Ich habe von KollegInnen schon erfahren dass solche Provokation endeten nachdem sie "zurückgeschossen" haben. Die Kinder/Jgdl. waren dann sehr darüber erstaunt und sozusagen zufrieden.

Eine Anzeige finde ich auch nicht schlecht.
Er ist Strafmündig und wenn ein Jugendlicher mich ernsthaft mit "Kinderschänder" titulieren würde, wäre auch für mich eine Anzeige denkbar. Wenn er ein gewisses Maß an Empathie besitzt kann ihm verdeutlicht werden dass solche Bemerkungen Rufschädigend und Verleumdungen darstellen denen Ernsthaft entgegengearbeitet werden muss - notfalls mit einer Anzeige um sich selbst zu schützen.
Du solltest einfach ein bisschen "Egoistischer" sein und daran denken was Dir damit passieren kann.
Ewig kann man das nicht Aushalten, auch nicht mit aller Gelassenheit.

Genau Abwägung ist jetzt wichtig. Denn wenn Du mit ähnlichen Schipfwörtern zurückfeuerst (wie oben beschrieben) dann ist der nächste Schritt der Anzeige unglaubwürdig.

Wie gehst Du mit ihm um?
Nimmst Du ihn noch ernst und wichtig?
Wie schätzt Du ihnein? Ist er in der Lage nachvzuvollziehen was er da macht?

LG Björn
"Überlasst mir die Erziehung, und in einem Jahrhundert ist Europa umgestaltet."
Gottfried Wilhelm Leibniz
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