Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

Alles rung um die Themen Heim- und Jugendarbeit

Moderator: Team

Schicksal der Heimkinder von 1945-1970 wird aufgearbeitet

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 04.12.2008 04:35

QUELLE: DER TAGESSPIEGEL - Kommentare @ http://www.tagesspiegel.de/meinung/komm ... 4#formular

»»»Heimkinder-Bericht

In aller Härte

Das Schicksal der Heimkinder in Deutschland zwischen 1945 und 1970 wird endlich aufgearbeitet. Endlich gibt es ein offizielles Schuldanerkenntnis gegen den Kindern, deren Rechte bis in die 70er Jahre hinein verletzt wurden.

VON TISSY BRUNS
28.11.2008 0:00 Uhr

Unschwer zu erkennen, dass der Heimkinder-Bericht des Petitionsausschusses ein Kompromiss ist. Der wichtigste Satz steht erst auf Seite 13: "Der Petitionsausschuss sieht und erkennt erlittenes Unrecht und Leid, das Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kinder- und Erziehungsheimen in der alten Bundesrepublik in der Zeit zwischen 1945 und 1970 widerfahren ist und bedauert das zutiefst."

An diesem Satz zeigt sich, dass Kompromisse große Taten sein können. Wenn der Bundestag in der nächsten Woche den Bericht annimmt, dann endlich gibt es ein offizielles Schuldanerkenntnis gegenüber den zahllosen Kindern, deren Rechte im Rechtsstaat Bundesrepublik bis in die 70er Jahre verletzt wurden. Deren Menschenwürde ganz und gar nicht unantastbar war, wie es Artikel 1 des Grundgesetzes doch garantiert. Verletzt wurde sie in vielen kirchlichen und staatlichen Einrichtungen, in denen Kinderarbeit, drakonische Strafen, Missbrauch und Entwürdigung von Schutzlosen an der Tagesordnung waren.

Zwei Jahre haben die Abgeordneten an diesem Thema gearbeitet. Das ist eine lange Zeit für die betroffenen Menschen, die über ihr Schicksal jahrzehntelang nicht sprechen konnten. Und der Petitionsbericht ist ja kein Schlusspunkt, sondern nur ein Zwischenergebnis. Denn erst der Runde Tisch, der nun ins Leben gerufen werden soll, wird Vorschläge für Entschädigungen und Wiedergutmachung erarbeiten. Man kann also viel kritisieren an der Art, wie sich die Bundesrepublik den schwarzen Flecken ihrer Geschichte nähert. Aber auch im Kreis der ehemaligen Heimkinder wird die Arbeit der Abgeordneten des Petitionsausschusses zu Recht einhellig anerkannt.

Die Finanzierung des Runden Tisches ist Sache von Bund und Ländern

Diese Parlamentarier haben zugehört, sich in aller Härte konfrontieren lassen mit Zuständen, die im Gedächtnis des Landes seit Ende der 70er verdrängt worden sind: Wie nämlich im aufstrebenden Wirtschaftswunderland Kinder und Jugendliche in Heime gesperrt wurden, deren Makel uneheliche Geburt oder Aufmüpfigkeit waren, kleine und kleinste Abweichungen von dem, was als normal galt. Wie Kindern, die oft nicht wussten, warum sie in ein Heim geraten waren, jahrelang die Briefe ihrer Eltern vorenthalten wurden, wie die Aufsicht gegenüber den Heimen versagt hat und wie eine schwarze Pädagogik weitergeführt wurde, die ihre Legitimation schon vor 1933 verloren hatte. Wie Prügel und Demütigungen das ganze Leben zeichnen können - und umso mehr, wenn darüber ein Schweigeverdikt hängt.

Deshalb muss nun zügig weitergearbeitet werden. Die Finanzierung des Rundes Tisches ist Sache von Bund und Ländern. Die haben damals bei der Heimaufsicht schandbar versagt; sie sollten heute keinen Zuständigkeitsstreit über die Finanzierung führen. Den Satz auf Seite 13 sind wir nicht nur den ehemaligen Heimkindern schuldig, sondern auch unserer Selbstachtung. Die ehemaligen Heimkinder haben spätes Gehör gefunden, weil das Buch eines "Spiegel"-Autors das Schweigen beendet hat, weil sie selbst darum gekämpft, weil Parlamentarier sich ihrer Sache angenommen haben. Das ist: Demokratie.

( Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.11.2008 )«««


Und, hierzu, der erste Leserkommentar von Helmut Jacob [ "Ehemaliges Heimkind" / "Misshandeltes Heimkind", körperbehindert und im Rollstuhl von Kindheit an ]

»»»Heimopfer - 29.11.2008 22:55:43 Uhr

Es ist höchste Zeit - die Opfer sterben

Zunächst freuen wir uns natürlich alle sehr, dass - sogar in Anwesenheit des Bundestagspräsidenten und im Bundestags-TV übertragen - eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss statt fand und BT-Vizepräsidentin Antje Vollmer den Vorsitz des Runden Tisches übernehmen will. Aber dies heißt noch gar nichts. Ein typisch deutsches, geflügeltes Wort heißt: Und wenn man nicht mehr weiter weiß, dann bildet man nen Arbeitskreis. Im Gegensatz zur Evangelischen Kirche Deutschlands, deren Diakonie-Präsident immer noch nach einem Vorsitzenden für seine Runde Kaffeetafel sucht, ist der Petitionsschuss schon weiter. Allerdings vermisse ich den geforderten Opferentschädigungsfond, in den Kirche, Staat und damit Steuerzahler einzahlen sollen, um den Opfern wenigstens im Alter das würdevolle Leben zu ermöglichen, das ihnen in ihrer Kindheit und Jugend vorenthalten wurde. Halten wir im Hinterkopf: Viele Biographien wären völlig anders verlaufen, hätten viele Heimkinder und Jugendliche diese Terrorzeit nicht erlebt.

Mir fiel auf, dass selbst von Seiten der Opfer nicht einmal das Wort "Verbrechen" gefallen ist. Wenn selbst sie die Grausamkeiten und Verbrechen, die ihnen angetan wurden, nicht richtig zuordnen können, werden natürlich die Rechtsnachfolger der Einrichtungen, in denen unzweifelhaft Verbrechen stattgefunden haben, sich hüten, ihrerseits den Begriff anzuführen. Und solange die Fakten nicht mit den richtigen Begriffen versehen werden, werden sie verharmlost.

Zusammengefasst: Natürlich sollten wir uns alle freuen, aber dabei noch intensiver an die Arbeit gehen und versuchen, selbst Einfluss auf den Runden Tisch zu nehmen. Damit all die unangenehmen Punkte, über die man gar nicht so gerne sprechen will (aufrichtige Entschuldigung, großzügigere Auslegung des Opferentschädigungsgesetzes, Garantie an die Opfer für einen menschenwürdigen Lebensabend, etc.) auf die Tagesordnung kommen.

Helmut Jacob«««

( Helmut Jacob ist Betreiber von http://www.gewalt-im-jhh.de/ und http://www.oekumenischer-chor.de )

Auch Du kannst Deinen eigenen gut überlegten Leserkommentar DORT, beim TAGESSPIEGEL @ http://www.tagesspiegel.de/meinung/komm ... 4#formular , abgeben !!!
Ehemaliges Heimkind
 
Beiträge: 1355
Registriert: 22.09.2006 06:05
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Publizist FREDI SAALs zur „HEIMKINDERPROBLEMATIK“

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 04.12.2008 04:48

Publizist FREDI SAALs Stellungnahme zur Aufarbeitung der „HEIMKINDERPROBLEMATIK“

[ ACHTUNG ! - Sehr langer, aber sehr wichtiger Text ! ]

Fredi Saal, Vordenker der Selbsthilfebewegung und Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen

»»»[ 27. November 2008 ]

Fredi Saal

DAS DASEIN EINES JEDEN INDIVIDUELLEN MENSCHEN STELLT SICH ALS EINZIGARTIG DAR. WIE SOLLTE ES SICH IN REIN WISSENSCHAFTLICHEN STATISTIKEN WIEDERFINDEN KÖNNEN?

Zur Frage einer Aufarbeitung von Lebensverläufen im Rahmen der Heimerziehung der Nachkriegszeit 1945 - 1972

Aufgeschreckt durch heftige Reaktionen von ehemaligen jugendlichen Insassen zumeist christlicher Erziehungsheime, welche mit ihren Klagen über unhaltbare Zustände in den einstigen Häusern ihrer Kinderzeit imageschädigend in die Öffentlichkeit drangen und damit eine unangenehme Aufmerksamkeit zu erregen drohten, haben sich die in Frage gestellten Institutionen akademischer Unterstützung versichert. Damit ihr guter Ruf nicht allzu sehr leidet.

Diese Methode ist sattsam bekannt: Geht es um unangenehme Nachfragen, zumal in der Sozialpolitik, Erziehung, Arbeitsvermittlung, Unterstützung mittelloser Bürger, Versorgung der Kranken, Bedingungen einer humanen Pflege von Hilfsbedürftigen, im Falle von nicht mehr überhörbaren Protesten wird (vielfach zum wiederholten Mal) ein Ausschuss zu einer streng wissenschaftlichen Klärung berufen. Erregte Gemüter werden damit vorerst einmal beruhigt. Danach wird man weiter sehen. Dann erscheinen geraume Zeit später mehr oder weniger abwiegelnde Ergebnisse und werden sodann oft rasch ohne großen Aufwand zu den Akten gelegt. Im günstigsten Fall erscheinen noch in den Tagesnachrichten Meldungen mit kommentierenden Texten die schnell wieder vergessen sind. Schwamm drüber!

Nun also auf ein Neues. Es soll jetzt um die »Erforschung der Kirchlichen Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik Deutschland (1945 - 1972)« unter Leitung von zwei bestellten Professoren gehen. Seit vielen Jahren schon melden sich ehemalige Zöglinge(!) kirchlicher Einrichtungen zu Wort, indem sie die Zustände von damals bitter beklagen. Bestimmt nicht zu Unrecht, wie jeder weiß oder zumindest wissen kann, der zu jener Zeit nur einigen Einblick hatte. Aber natürlich bestreiten dies die angegriffenen Anstalten und ihre Träger. Das ist ja auch keineswegs so unverständlich, wie es manchem vielleicht erscheinen mag. Denn welcher Mensch gibt schon gern, und dazu noch freiwillig, mit wirklich aufrichtigem Bedauern die nun einmal leider unterlaufenen eigenen Versäumnisse zu – besonders dann, wenn man, wie in der christlichen Erziehung, recht hohe ethische Ansprüche an sich selbst stellt?

Da kann es leicht geschehen, dass bereits verhältnismäßig kleine Vorwürfe auf eine äußerst heftige Abwehr stoßen. Das deutet allerdings darauf hin, dass selbst dem Personal unwohl war bei manchen Erziehungsmaßnahmen. Etwa der berüchtigten Strafe »eine Glatze schneiden«. Regelmäßig wurde sie verhängt, wenn wieder einmal ein Bewohner der Station das Weite suchte, »Auskratzen« genannt. Dieses immer wieder praktizierte Weglaufen aus der geschlossenen Einrichtung – fast sämtliche Türen ohne Klinken – war eigentlich auch kein Wunder. Wie Sträflingen bekamen die Missetäter den Kopf völlig kahl geschoren. Das darf aber heute nicht mehr wahr sein. Noch Jahrzehnte später wird hierauf mit dem empörten Vorwurf einer puren Unwahrheit geantwortet, obwohl beide Parteien doch damals bei dem Geschehen vor versammelter Mannschaft nach dem siebentägigen Aufenthalt in der Einzelzelle auf der Knabenstation persönlich zugegen waren, oder doch bald danach das Ergebnis in persönlichen Augenschein nehmen konnten. Es mag ja sein, dass sich ihnen die Erinnerung tatsächlich verweigert und sie tatsächlich daran glauben müssen, der Bösartigkeit eines undankbaren Ehemaligen aufzusitzen. Übrigens wird in der geplanten Untersuchung statt von »Glatze scheren« stark verharmlosend von »Haare schneiden« gesprochen. Dies ist nicht harmlos, sondern grob irreführend. Es klingt vollkommen harmlos nach: Haare pflegen, – und ist dies nicht ganz normal? Was soll schon dagegen sprechen? Da kann man doch deutlich sehen, welch Geistes Kinder die Ankläger sind.

In der Psychologie spricht man bei dergleichen bekanntlich seit Sigmund Freud von Verdrängung. Doch wie bereits gesagt: Das ist an sich einigermaßen verständlich, aber ändert nichts an dem Unrecht gegenüber den Betroffenen, welche durch Herkunft wie durch erlittene Traumata im der Kindheit sowieso schon am kürzeren Hebel sitzen. Eigentlich wurde das recht deutlich am Fernsehfilm der ARD zu diesem Thema - in welchem nebenbei bemerkt der selbstgefällig wirkende Rechtsvertreter der betreffenden Erziehungshäuser eine recht fragwürdige Figur abgab. Er trat vor die Presse und kündigte eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen die aufbegehrenden Ehemaligen an, wegen versuchter Täuschung und der Erschleichung von Mitteln aufgrund des Gesetzes der Entschädigung von Opfern erlittenen Unrechts. Dass er damit sogar durchkam und den Verurteilten unter Androhung eines Zwangsgeldes weitere Versuche in dieser Angelegenheit verboten wurden, macht die Sache keinesfalls besser. Der Eindruck von eiskalter Abservierung konnte auf diese Weise nicht ausgeräumt werden. Denn zu klar trat zu Tage wie geschädigt die ehemaligen Heimkinder waren. Wo lediglich ein klein wenig Verständnis und Einfühlung gefragt gewesen wäre, fügten ihnen Maßnahmen mit den Mitteln der Strafjustiz nur weiteres Unrecht zu.

Diesem eindeutig negativ besetzten Eindruck versucht man mit der in Aussicht gestellten Untersuchung gar nicht ungeschickt auszuweichen. Denn gegen ein rein wissenschaftliches Forschungsprojekt ist schließlich erst einmal überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Diese bewährte Methode steht in hohem Ansehen. Denn hinter ihr steht ja der gute Ruf von Lehrstuhlinhabern einer Universität. In ihr lassen sich in elegant geschnürten Paketen wissenschaftlicher Aufarbeitung individuelle Zurechnungen zum Verschwinden bringen. – Auf der Seite des Opfers nicht weniger als auf der des Verantwortlichen. Der eine, der konkrete Einzelne bleibt dabei mit seinem Trauma zumeist mutterseelenallein (an ihm bleibt vielmehr die ehrenrührige Unterstellung hängen, nichts als ein mieser und infamer Betrüger zu sein) während der andere – als ein Vertreter der caritativen Institutionen – sein reines Gewissen behält, jedenfalls in den Augen seiner gutbürgerlichen Mitwelt. Fragt dann ein Autor wie Peter Wensierski in seinem Buch „Schläge im Namen des Herrn - Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik“ konkreter nach, wird ihm zwar bereitwillig bescheinigt, sich bedeutende Verdienste durch seine Hinweise auf diese noch weit offenen Fragen erworben zu haben. Zugleich wird ihm aber ein problematisch mangelnder Umgang mit den Methoden einer wissenschaftlichen Aufbereitung angelastet. Ja, was denn nun? Soll sich etwa der sowieso schon Traumatisierte selbst wie einst der Baron Münchhausen gefälligst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen – in diesem Fall aus dem Sumpf seines oft maßlos angewachsenen Haufens seelischen Elends? Wenn das nicht einer geradezu unerträglichen Verhöhnung gleichkommt, was bitte dann?! Muss daraus nicht beinah zwangsläufig ein Symptom entspringen, wie es neuerdings in der Psychiatrie unter dem Begriff »Verbitterungskomplex« beschrieben und als eigenständiges seelisches Krankheitsbild herausstellt wird?

Vermutlich ist das überhaupt nicht beabsichtigt – faktisch jedoch wirkt es sich als eine Art Verhöhnung aus. Jedenfalls zeigt dies doch recht anschaulich den abgrundtiefen Graben, der zwischen den »Betreuten« und ihren »Betreuern« sowie deren akademischem Begleittross liegt. Welten trennen diese Menschengruppen voneinander. Hier jene, welche häufig genug als völlig verroht und heruntergekommen empfunden werden, eben typische Abkömmlinge einer mehr oder weniger ungebildeten Unterschicht – dort jene, die ihnen wenigstens einigen Anstand beibringen wollen. Die Erzieher und ihre wissenschaftlichen Begleiter, die in aller Regel aus besseren Gesellschaftsschichten stammen, gehen offenbar davon aus, dass man hier leider nicht so einfühlsam vorgehen kann, wie bei Kindern aus ihrem Umkreis. Hier bedarf es vielmehr einer harten Hand. Eine andere Sprache wird leider nicht verstanden. Nachsicht würden sie bloß missverstehen, weil leisere Töne einfach nicht ankommen.

Interessanterweise kennt das vorgelegte Konzept der geplanten Untersuchung lediglich Fürsorgezöglinge und Waisen. Klingt das nicht ein wenig nach einer Unterteilung in Teufel und Engel? Wo bleiben denn alle anderen, wie z.B. die Behinderten mit unterschiedlichen Einschränkungen? In welche Kategorie dürfen sie sich denn einreihen? Und vor allem: Wie will der akademische Untersucher all jenen Klienten auch nur annähernd gerecht werden, deren Lebenswelten meilenweit von der seinen entfernt liegen? Darf er sich überhaupt ein Urteil über Lebensumstände erlauben, die er doch kaum kennen kann? – Ob er jemals einen einzigen Gedanken daran verwandt hat, wie er sich selber wohl fühlen würde, müsste er unter vergleichbaren Bedingen aufwachsen? Ist es zu gewagt, ihm zu unterstellen, dass es ihm auch beim besten Willen gar nicht möglich sein kann, sich da hineinzudenken?

Schauen wir uns einmal an Hand des vorgegebenen Untersuchungsauftrags genauer an, wie denn eine solche wissenschaftliche Aufarbeitung aussehen soll, um der Diskussion »Zwischen Skandalisierung und pädagogischer Reformdebatte« gerecht zu werden. Kaum niedergeschrieben, meldet sich bei diesem Satz bereits die verwunderte Frage: Geht es nicht um die Klagen der ehemaligen Heimbewohner, eine über weite Strecken sehr ungerechte und lieblose Kindheit durchlaufen zu haben? Was interessiert diese vielfach verbitterten Zeitgenossen der pädagogische Impetus, der hinter ihren Schreckenserlebnissen steht?

Sie [ die ehemaligen Heimbewohner ] erwarten zunächst einmal lediglich das eine: Dass man ihre Empfindungen ernst nimmt. Es mag gut sein, dass es sich auf der Seite des jeweiligen Betroffenen um bedauernswerte Missverständnisse handelt. Dann muss man versuchen, darüber zu reden, ihm nicht von vorn